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Bayerische Wirtschaft erholt sich, doch Geschäftsrisiken steigen

In der bayerischen Wirtschaft stehen die Zeichen auf Erholung: Der BIHK-Konjunkturindex ist seit Jahresbeginn um 16 Zähler auf 114 Punkte geklettert. Er erreicht damit erstmals wieder das Niveau vor der Corona-Krise und liegt leicht oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Das ist das Ergebnis der Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Rund 3.900 Unternehmen im Freistaat nahmen an der Erhebung teil. Während des ersten Lockdowns vor einem Jahr war der Index in einem historischen Absturz auf 81 Punkte gefallen.

Industrie wieder auf Erfolgskurs

„Aktuell bewerten 40 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, nur 22 Prozent als schlecht. Zurück in der Erfolgsspur ist vor allem die bayerische Industrie, die für rund ein Viertel der Bruttowertschöpfung steht und damit unser stärkster konjunktureller Motor ist“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Demgegenüber liegen die bislang unter Dauer-Lockdown stehenden Branchen Tourismus, Hotels und Gaststätten, Reisebüros und Reiseveranstalter, Veranstaltungswirtschaft und Indoor-Sportanbieter weiterhin am Boden. Jedoch schauen sie dank der zunehmenden Öffnungsperspektiven erstmals wieder optimistischer in die Zukunft“, so Gößl. Einzig im stationären Einzelhandel bleiben die pessimistischen Stimmen klar in der Mehrheit, während Onlinehändler wohl dauerhaft von der Krise profitieren werden.

Nachfragerisiken sinken

Mit besseren Geschäften in den kommenden Monaten rechnen insgesamt 27 Prozent der Betriebe, dagegen erwarten 17 Prozent eine Eintrübung. „Die Zeichen stehen dank sinkender Inzidenzzahlen und optimistischer Öffnungsperspektiven gut, dass sich die Erholung weiter beschleunigen wird und auch die aktuell in der Krise befindlichen Branchen erfasst. Ein kräftiger Konsumschub ist zu erwarten, weil die Sparquoten auf historisch hohem Niveau liegen und der Arbeitsmarkt sowie die Einkommen vieler Arbeitnehmer auch in der Pandemie stabil geblieben sind“, so Gößl weiter. Von diesem Nachholeffekt dürften beispielsweise Hotellerie und Gastronomie stark profitieren.

Angebotsrisiken steigen

Unter den Geschäftsrisiken entwickeln sich steigende Energie- und Rohstoffpreise zum Sorgenkind. Branchenübergreifend sehen 40 Prozent aller Unternehmen in Bayern darin ein großes Risiko, doppelt so viele wie noch vor einem halben Jahr. Jedes zweite Industrieunternehmen berichtet von Lieferproblemen. Die Engpässe ziehen sich durch fast alle Industriezweige. Im Fahrzeugbau, in der Chemie, der Medizin- und Elektrotechnik, der Gummi- und Kunststoffbearbeitung melden jeweils sogar rund 70 Prozent der Unternehmen Lieferprobleme. Ähnlich angespannt wie in der Industrie ist die Situation im Baugewerbe, wo sich wichtige Materialien wie Holz, Zement, Frischbeton, Kies und Sand sowie Betonstahl rasant verteuern. Auch der Fachkräftebedarf steigt angesichts anziehender Nachfrage wieder an: 48 Prozent aller befragten Unternehmen nennen den Fachkräftemangel als Risiko. Erstmals seit einem Jahr zeigt auch der Saldo der Beschäftigungspläne der Unternehmen keinen Abwärtstrend an: 18 Prozent der Unternehmen möchten Personal einstellen, ebenso viele Stellen streichen. Der bayerische Arbeitsmarkt stabilisiert sich daher weiter.

BIHK-Präsident Eberhard Sasse fordert die Politik dennoch auf, die staatlichen Unterstützungsprogramme für geschlossene Branchen so lange fortzusetzen, bis die betroffenen Betriebe und Selbstständigen wieder ohne Beschränkungen arbeiten können. Von den bisherigen Hilfen, für deren Abwicklung teilweise die IHKs zuständig waren, sei mittlerweile der Großteil ausbezahlt. Insgesamt haben bayerische Unternehmen aus den Töpfen der Überbrückungshilfe, Neustart-, November- und Dezemberhilfen rund 4,6 Milliarden Euro erhalten.

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