Mittelstand in Bayern
Alle NewsEditorial/Politik

Ende der telefonischen Krankschreibung ist wichtiges Signal für den Mittelstand

Die schwarz-rote Bundesregierung zieht endlich die Reißleine und beendet ein arbeitsmarktpolitisches Experiment, das dem Wirtschaftsstandort viel Schaden zugefügt hat. Das Aus für die telefonische Krankschreibung und die Einführung einer flächendeckenden Attestpflicht ab dem ersten Fehltag sind keine Schikanen gegen Arbeitnehmer. Sie sind vielmehr ein längst überfälliger Schritt hin zu mehr wirtschaftspolitischer Vernunft.

Seit der Einführung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) im Zuge der Pandemie und der anschließenden Verstetigung haben sich die Fehlzeiten in deutschen Betrieben auf ein historisches Rekordniveau eingependelt. Daten der gesetzlichen Krankenkassen zeigen das ganze Ausmaß der Misere: Der bundesweite Krankenstand verharrt zäh bei über 5,4 bis 5,8 Prozent. Das bedeutet: Beschäftigte fehlen im Schnitt knapp 20 Kalendertage im Jahr wegen Krankheit. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland damit einen traurigen Spitzenplatz.

Mittelstand trägt die Hauptlast der Ausfälle

Während Großkonzerne solche Fehlzeiten oftmals durch Springer-Pools und personelle Redundanzen auffangen können, trifft es den Mittelstand ins Mark. Wenn in einem bayerischen Handwerksbetrieb mit fünf Angestellten oder einem IT-Dienstleister mit fünfzehn Mitarbeitern auch nur zwei Personen gleichzeitig ausfallen, droht der Stillstand. Aufträge bleiben liegen, Lieferfristen platzen, Kunden wandern ab.

Den wirtschaftliche Schaden kann man auch beziffern: Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ermitteln allein die Kosten für die gesetzliche Entgeltfortzahlung durch die Arbeitgeber auf rund 82 Milliarden Euro jährlich. Dies drückt das ohnehin schwache Produktionspotenzial unseres Landes weiter nach unten.

Vertrauensverhältnis zügig wieder herstellen

Es geht hierbei nicht darum, redliche, spürbar erkrankte Mitarbeiter zu diskreditieren. Wer krank ist, gehört ins Bett – daran rüttelt niemand. Aber die Wahrheit, die in vielen Betrieben hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird, lautet: Die telefonische Krankschreibung hat die Hemmschwelle für das sogenannte „Blaumachen“ massiv gesenkt. Dies hat das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern untergraben und jene Kollegen demotiviert, die Tag für Tag die Mehrarbeit der Ausfallenden auffangen mussten.

Die Rückkehr zur Attestpflicht ab Tag eins holt den Arzt wieder in seine Funktion als medizinische Kontrollinstanz zurück. Wer arbeitsunfähig ist, muss sich untersuchen lassen. Ob dies, wie in einigen europäischen Ländern, auch per Video-Konsultation möglich sein sollte, lässt sich diskutieren – der kurze Telefonanruf kann jedenfalls nicht genügen. Das sorgt für Transparenz und stellt sicher, dass Lohnfortzahlung nur dort fließt, wo sie berechtigt ist. Für den bayerischen Mittelstand ist dieser Beschluss der Bundesregierung ein wichtiges Signal. In Zeiten eines chronischen Fach- und Arbeitskräftemangels können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, wertvolle Arbeitszeit ohne Not und ohne echte medizinische Indikation zu verlieren. Die Bundesregierung hat verstanden, dass soziale Sicherungssysteme und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zwei Seiten derselben Medaille sind. Jetzt gilt es, diese Maßnahmen ohne bürokratische Zusatzhürden zügig in die Praxis umzusetzen.

Ihr Achim von Michel, Herausgeber von mittelstandinbayern.de

Einen Kommentar hinterlassen

* Mit der Nutzung dieses Kontaktformulares erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden.

Mittelstand in Bayern
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.