Mittelstand in Bayern
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EU-USA-Zollabkommen: Durchbruch im transatlantischen Handel

  • Nach einem langjährigen Zollstreit bringt die erfolgreiche Trilog-Einigung dem exportorientierten bayerischen Mittelstand endlich Planungssicherheit.

  • Die DIHK begrüßt den Kompromiss als wichtiges handelspolitisches Signal, fordert jedoch eine echte Gegenseitigkeit bei der Lockerung amerikanischer Handelsbarrieren.

  • Bayerische Betriebe profitieren von geringeren Verwaltungskosten durch den Wegfall doppelter Zertifizierungen. 

Die Erleichterung in der bayerischen Wirtschaft ist jetzt spürbar, doch der Weg dorthin war lang und steinig. Nach intensiven Verhandlungen haben sich das Europäische Parlament, der Rat und die EU-Kommission im sogenannten Trilogverfahren auf die finale Umsetzung des EU-USA-Zollabkommens geeinigt. Für den exportorientierten Mittelstand im Freistaat endet damit eine jahrelange Hängepartie, die von Zöllen, Bürokratie und geopolitischen Unsicherheiten geprägt war.

Ein Blick zurück: Vom Zollstreit zum Trilog-Kompromiss

Die Wurzeln dieses Abkommens reichen zurück in eine Phase tiefen transatlantischen Misstrauens. Spätestens seit den im Jahr 2018 verhängten US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium und den darauffolgenden europäischen Vergeltungsmaßnahmen befanden sich die EU und die USA im handelspolitischen Dauerclinch. Der Mittelstand geriet dabei oft unverschuldet zwischen die Fronten: Lieferketten rissen ab, und die Planungssicherheit tendierte gegen null. Das nun abgeschlossene Trilogverfahren – die informelle Dreierrunde aus EU-Kommission, Parlament und Rat – sollte das Abkommen endlich rechtssicher ausgestalten. Im Kern ging es darum, technische Handelshemmnisse abzubauen, Konformitätsbewertungen gegenseitig anzuerkennen und Zollverfahren zu digitalisieren. Das Verfahren zog sich monatelang hin, da das EU-Parlament strikte Vorgaben zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards forderte, während die Mitgliedstaaten im Rat vor allem auf eine schnelle Entlastung der Industrie drängten. Der Kompromiss steht nun.

Die Position der DIHK: Ein wichtiges Signal mit Bedingungen

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bewertet den Ausgang des Trilogverfahrens als wegweisend. In einer offiziellen Stellungnahme betont der Verband, dass die Einigung ein „wichtiges Signal in der Handelspolitik“ zu Zeiten globaler Krisen sendet. Außenwirtschaftschef Volker Treier erklärte hierzu:
„Der gefundene Kompromiss bringt dem Mittelstand dringend benötigte Planungssicherheit auf dem wichtigsten außereuropäischen Markt zurück.“

Gleichzeitig mahnt die DIHK jedoch zur Wachsamkeit. Die Erleichterungen dürften keine Einbahnstraße werden; die USA müssten im Gegenzug ihre verbliebenen protektionistischen Hürden – wie etwa die strengen Regelungen des Buy American Act – spürbar lockern.

Chancen und Risiken für den bayerischen Mittelstand

Für die bayerischen Betriebe bringt der Deal handfeste Chancen. Durch den Wegfall doppelter Zertifizierungen im Maschinenbau und der Elektrotechnik sparen mittelständische Betriebe Zeit und erhebliche Verwaltungskosten. Der transatlantische Markt wird wieder zugänglicher und attraktiver.
Demgegenüber stehen jedoch auch Risiken. Kritiker bemängeln, dass das Abkommen die tieferliegenden, strukturellen Differenzen im Subventionswettlauf zwischen den USA und der EU nicht löst. Sollte sich das politische Klima in Washington nach kommenden Wahlen erneut verschärfen, droht das Abkommen schnell zur Makulatur zu werden. Zudem müssen bayerische Firmen investieren, um die neuen digitalen Zollstandards zügig in ihren IT-Systemen zu implementieren.
Das erfolgreich beendete Trilogverfahren ist aber zumindest ein Etappensieg für den Freistaat. Es nimmt Druck von den Lieferketten, verlangt den Unternehmen bei der Umsetzung aber auch Flexibilität ab.

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