In der deutschen Unternehmenslandschaft tut sich ein neuer, tiefer Graben auf. Während ein Teil der Wirtschaft die Chancen der Digitalisierung bereits gewinnbringend nutzt, droht der andere den Anschluss zu verlieren. Im Zentrum dieser Entwicklung steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Laut der aktuellen „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“ öffnet sich die Schere zwischen technologischen Vorreitern und Nachzüglern rasant.
Mehr Effizienz mit Künstlicher Intelligenz
Die repräsentative Forsa-Umfrage unter 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden zeigt deutliche Produktivitätsunterschiede. Mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent), das KI bereits aktiv im Alltag nutzt, berichtet von stark gestiegener Effizienz. Bei den Betrieben, die noch auf generative Tools wie ChatGPT oder Copilot verzichten, spüren hingegen nur magere 14 Prozent solche Effekte. Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, warnt daher: „Beim Einsatz von KI öffnet sich die Schere zwischen Unternehmen, die die Technologie strategisch nutzen, und denen, die noch am Anfang stehen.“
Aktuell nutzen bereits 56 Prozent der befragten Firmen generative KI im Arbeitsalltag. Die Auswirkungen gehen dabei weit über einfache Texteingaben hinaus. Bei fast jedem dritten KI-Anwender werden bereits ganze Tätigkeiten automatisiert und fast die Hälfte der Nutzer gestaltet ihre internen Arbeitsabläufe komplett neu. Dadurch verändern sich die Wettbewerbsbedingungen in den Branchen massiv.
Fehlendes Wissen bremst den Mittelstand aus
Die größte Hürde für eine flächendeckende Nutzung ist jedoch nicht die Technik, sondern das fehlende Wissen. Jedes zweite deutsche Unternehmen sieht derzeit einen hohen oder sehr hohen Bedarf an Weiterbildung im Bereich KI. Besonders eklatant ist dieser Ruf nach Qualifizierung bei den Betrieben, die KI bereits implementiert haben (71 Prozent), sowie bei Großunternehmen (70-Prozent). Ganz oben auf der Wunschliste stehen anwendungsorientiertes Wissen und ein technologisches Grundverständnis.
Der TÜV-Verband fordert angesichts dieser Daten eine unbürokratische Qualifizierungsoffensive, die sich speziell an den Mittelstand richtet. Denn der entscheidende Engpass der Zukunft liegt laut Bühler nicht an mangelnder Rechenleistung, sondern an der Fähigkeit der Beschäftigten, KI-Systeme sicher und wertschöpfend in bestehende Prozesse zu integrieren.



