Mittelstand in Bayern
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Das Rentenpaket bremst den Mittelstand aus

Die Rentenkommission hat ihr mit Spannung erwartetes 33-Punkte-Konzept zur Reform der Alterssicherung vorgelegt, und die Berliner Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigt bereits an, das Paket ohne Abstriche umzusetzen. Was in den Regierungsbüros als ausgewogenes „Gesamtkunstwerk“ gefeiert wird, sorgt bei den Unternehmern im bayerischen Mittelstand für massive Bauchschmerzen. Während das Ende der abschlagsfreien Frührente („Rente mit 63“) ein längst überfälliger Schritt gegen den akuten Fachkräftemangel ist, gleicht das geplante Aus für das bewährte Minijob-Modell einer wirtschaftspolitischen Geisterfahrt.

Minijob-Aus: Ein bürokratischer Kahlschlag für Betriebe

Der Sonderstatus für geringfügige Beschäftigungen soll – bis auf Ausnahmen für Schüler – komplett gestrichen werden. Die Begründung der Kommission, damit „Schutzlücken in der Altersvorsorge“ zu schließen, geht völlig an der Lebenswirklichkeit der Menschen und Betriebe vorbei. Allein in Bayern arbeiten etwa 1,5 Millionen Menschen in Minijobs – rund die Hälfte davon als dringend benötigte Zuverdienst-Kräfte neben einer regulären Hauptbeschäftigung.

Für Branchen wie die bayerische Gastronomie, den Einzelhandel, das Handwerk und soziale Dienste sind diese flexiblen Helfer das personelle Rückgrat. Wenn diese Arbeitsverhältnisse nun voll sozialversicherungspflichtig werden, droht ein bürokratisches und finanzielles Desaster. Geringverdiener verlieren durch die Abgabenlast den Reiz am schnellen Hinzuverdienst. Arbeitgeber stehen vor explodierenden Lohnnebenkosten und müssen neue bürokratischen Hürden überwinden. Die logische Konsequenz? Arbeitsplätze werden wegrationalisiert, der Service schrumpft, und die Schwarzarbeit wird unkontrollierbar florieren. Das ist kein sozialer Schutz, das ist ein Beschäftigungsverbot durch die Hintertür.

Ende der „Rente mit 63“: Ein überfälliges Signal der Vernunft

Ein echtes Lob verdient die Kommission hingegen für den Mut, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren endlich zu beerdigen. Seit ihrer Einführung hat diese rein planwirtschaftliche Wohltat dem Arbeitsmarkt Hunderttausende hochqualifizierte Facharbeiter, Meister und erfahrene Fachkräfte entzogen, die der Mittelstand schmerzhaft vermisst. In Zeiten, in denen bayerische Betriebe händeringend nach Personal suchen, können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, vitale und gut verdienende Leistungsträger vorzeitig mit staatlichem Segen in den Ruhestand zu verabschieden.

Die geplante Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab dem Jahr 2031 ist die einzig logische mathematische Konsequenz einer alternden Gesellschaft. Wer älter wird, muss auch länger arbeiten. Die vorgesehenen Härtefallregelungen für Menschen, die nachweislich körperlich oder gesundheitlich nicht mehr können, bieten dabei fairen, individuellen Schutz.

Keine Reform auf Kosten der Flexibilität

Die Einbeziehung von Selbstständigen in die Rentenpflicht wird für nicht nur für Neugründer zu einer herben finanziellen Einstiegshürde werden. Auch die paritätisch finanzierte, kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild belastet die Betriebe über zusätzliche Beitragspunkte sofort, während die Entlastung erst in Jahrzehnten greift.

Die Politik darf dieses Paket deshalb nicht einfach blind durchwinken. Der Mittelstand braucht erfahrene Kräfte im Betrieb statt in der Frührente – das ist richtig. Er braucht aber zwingend auch die unbürokratische Flexibilität der Minijobs, um Auftragsspitzen abzufedern und flexibel am Markt zu agieren. Wenn Kanzler Merz die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sichern will, muss er beim Minijob-Aus dringend nachbessern. Ansonsten würgt diese Reform genau den Motor ab, der das System finanzieren soll: unseren Mittelstand.

Ihr Achim von Michel (Herausgeber, mittelstandinbayern.de)

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