- Existenzgründungen steigen leicht, primär getragen durch risikoarme Nebenerwerbsprojekte.
- Das Alter der Gründenden erreicht mit 34,2 Jahren ein Rekordtief.
- Bayern baut seine Spitzenposition mit 785 Neugründungen weiter aus.
Der neue KfW-Gründungsmonitor zeichnet ein klares Bild der deutschen Wirtschaft: Die Menschen in Deutschland wollen gründen, doch sie tun es mit spürbarer Vorsicht. Zwar legte die Zahl der Existenzgründungen insgesamt leicht zu, die Gründungslandschaft verharrt jedoch in einem strukturellen Seitwärtstrend auf verhältnismäßig niedrigem Niveau. Das geht aus dem aktuellen Bericht der KfW Bankengruppe hervor.
Der Trend zum „Side Project“
Die nackten Zahlen zeigen ein deutliches Plus: Insgesamt wagten im Erhebungszeitraum rund 690.000 Gründerinnen und Gründer den Schritt in die Selbstständigkeit – ein Zuwachs von etwa 3 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Gründungsintensität stieg damit leicht von 110 auf 115 Gründungen je 10.000 Personen im erwerbsfähigen Alter.
Wer tiefer in die Statistik blickt, erkennt jedoch eine deutliche qualitative Verschiebung. Der Zuwachs wird fast ausschließlich vom Nebenerwerb getragen. Während die Zahl der Nebenerwerbsgründungen um 5 % auf 483.000 anstieg, ging das klassische Vollerwerbsgeschäft um 1 % auf 206.000 zurück. Die Angst vor finanziellen Risiken und der Wunsch nach sozialer Absicherung lassen das Gründen zunehmend zu einem hybriden Projekt neben dem Hauptberuf werden.
Junge Generation übernimmt das Ruder
Ein echter Lichtblick ist der Generationenwechsel. Die Gründerinnen und Gründer in Deutschland werden immer jünger. Das Durchschnittsalter sank auf 34,4 Jahre – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Vor allem bei Menschen unter 30 Jahren ist ein ausgeprägter Gründergeist spürbar, viele starten direkt aus dem Studium heraus.
Allerdings zeigt die Studie auch eine Kehrseite der Medaille: Der Frauenanteil schrumpfte leicht auf 35 %. Insbesondere im Vollerwerb ist der Anteil von Gründerinnen spürbar eingeknickt.
Ein unaufhaltsamer Trend bleibt die Digitalisierung: Satte 44 % aller Gründungen sind mittlerweile „digital“ – ein historischer Höchstwert für den KfW-Gründungsmonitor.
Regionaler Erfolg und politische Reaktionen
Ein Blick in die Regionen unterstreicht, dass vor allem der Süden Deutschlands als Zugpferd agiert. Laut Daten des Startup-Verbands verzeichnet Bayern bundesweit die meisten Start-up-Gründungen und baute seine Führungsrolle mit 785 Neugründungen, über 4.000 aktiven Start-ups und einem Rekord-Finanzierungsvolumen von 3,3 Milliarden Euro weiter aus. München bei der Gründungsaktivität pro Kopf mit einem klaren Vorsprung auf Platz 1 vor Berlin. Bayerns Wirtschafsminister Aiwanger begrüßt diese Entwicklung:
Gründer und Firmennachfolger sind unsere Zukunft. Es freut mich besonders, dass immer mehr junge Menschen bereits während des Studiums oder direkt danach den Schritt in die Selbstständigkeit wagen oder in die Firmennachfolge der Eltern eintreten.



