- Vor dem anstehenden Wirtschafts-Reformgipfel fordert der bayerische Mittelstand massive Entlastungen.
- Die bayerischen Industrie- und Handelskammern verlangen eine umfassende Steuerreform.
- Angesichts von Bürokratiekosten im dreistelligen Milliardenbereich mahnt die Wirtschaft eine echte Digitalisierung der Verwaltung an.
Der Frust im bayerischen Mittelstand sitzt tief. Vor dem anstehenden Wirtschafts-Reformgipfel melden sich neben den Unternehmerverbänden auch die bayerischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) zu Wort. Der Grund ist eine gefährliche Mischung aus lähmender Regulierung und politischer Intransparenz. Viele Firmeninhaber beklagen, dass wegweisende wirtschaftspolitische Entscheidungen zunehmend hinter verschlossenen Türen und ohne Einbindung der Praxis getroffen werden. Diese intransparenten Absprachen führen zu Gesetzen, die am unternehmerischen Alltag völlig vorbeigehen und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe massiv gefährden.
Steuerliche Entlastung als Überlebensfrage
Die bayerischen Kammern untermauern diese Kritik mit ihren offiziellen wirtschafts- und steuerpolitischen Grundsatzpapieren. Ganz oben auf der redaktionellen Agenda steht dabei die Forderung nach einer umfassenden Steuerreform. Als Herzstück der Verbandspositionen gilt eine spürbare Senkung der Körperschaftsteuer sowie eine Deckelung der Gesamtsteuerbelastung für Unternehmen auf maximal 25 Prozent. Denn: Der aktuelle Steuersatz für einbehaltene Gewinne drückt die internationale Wettbewerbsfähigkeit bayerischer Familienunternehmen im Vergleich zu Standorten in den USA oder anderen EU-Staaten massiv. Nur wenn den Betrieben mehr Liquidität verbleibt, können sie die notwendigen Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus eigener Kraft stemmen.
Ergänzend dazu fordern die Kammern strukturelle Entlastungen statt politischer Einzelmaßnahmen. So brauche die Wirtschaft echte Erleichterungen bei Steuern und Abgaben, um die Attraktivität des Standorts nachhaltig zu sichern. Auch der bürokratische Aufwand bei der Steuererklärung müsse drastisch reduziert werden. Der Mittelstand benötige keine neuen bürokratischen Hürden, sondern einfache, verlässliche und international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen.
Der Bürokratie-Kollaps im Betriebsalltag
Neben den Steuern saugt das tägliche „Bürokratie-Monster“ wertvolle Ressourcen auf. Ein zentraler Streitpunkt bleibt die unzureichende Umsetzung bestehender Entlastungsgesetze: Der DIHK mahnt an, dass der spürbare Wille zur Bürokratiebremse endlich vollumfänglich in der unternehmerischen Praxis ankommen muss. Denn die wirtschaftlichen Schäden sind immens. Durch die überbordende Bürokratie entgehen Deutschland jährlich bis zu 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung, wie eine viel beachtete Studie des ifo Instituts im Auftrag der Kammern belegt. Um diesen Trend umzukehren, fordert die Kammerorganisation auf politischer Ebene einen konsequenten Stopp der Überregulierung. Zudem wird eine echte Digitaloffensive in den Amtsstuben gefordert. Es darf nicht sein, dass Anträge zwar digital eingereicht werden können, im Hintergrund aber weiterhin analoge Prüfprozesse die Verfahren monatelang verschleppen.
Klar ist: Der Mittelstand erwartet, dass der kommende Wirtschafts-Reformgipfel darf keine reine Show-Veranstaltung mit vagen Absichtserklärungen wird. Erwartet werden konkrete Ergebnisse, transparente Verhandlungen und ein echtes Signal des Aufbruchs. Sollte die Politik erneut nur Symbolpolitik betreiben, droht eine schleichende Abwanderung von Investitionen – mit fatalen Folgen für den Arbeitsmarkt und den Wohlstand im Freistaat.



