Die Hoffnungen auf eine Stabilisierung am Bau sind im Frühjahr 2026 jäh verpufft. Was während der Corona-Pandemie zunächst als Unterbrechung globaler Lieferketten begann, hat sich durch die militärische Eskalation im Nahen Osten jetzt zu einem „Energiepreisschock“ ausgeweitet, der die deutsche Bauwirtschaft mit voller Wucht trifft. In den Chefetagen der Branche herrscht deshalb dicke Luft: Laut ifo Institut blicken 90 % der Industriebetriebe insgesamt mit großer Sorge auf die Auswirkungen des Iran-Kriegs. Für die Baubranche wurde von ifo noch im Februar ein positiver Ausblick gegeben: Der europäische Bau befände sich im Aufschwung und erwarte für das Jahr 2026 einen realen Zuwachs von 2,4%. Analog zur generellen Wachstumserwartung für Deutschland wird auch diese Prognose jetzt nicht mehr zu halten sein.
Die neuen Preistreiber: Öl, Gas und Unsicherheit
- Gaspreis-Explosion: An der europäischen Börse kletterte der Gaspreis im März 2026 bis auf rund 74 Euro je Megawattstunde – ein Anstieg von 104 % gegenüber dem Niveau vor dem KonfliktAnfang des Jahres.
- Bauzinsen: Die Unsicherheit an den Finanzmärkten hat auch die Finanzierung verteuert; die Bauzinsen stiegen seit Kriegsbeginn unmittelbar um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte an, teilweise sogar bis zu 0,4 Prozent.
- Inflation: Massiv gestiegene Energiepreise katapultierten die allgemeine Inflationsrate im März 2026 auf 2,7 %, den höchsten Stand seit über zwei Jahren.
Die Branche in der Sackgasse?
Trotz eines hoffnungsvollen Starts ins Jahr 2026 – die Baugenehmigungen stiegen im Februar um stolze 24,1 % gegenüber dem Vorjahr – droht der Iran-Krieg diese Trendwende jetzt abzuwürgen. Die Branche reagiert mit massiver Verunsicherung. Viele Unternehmen stehen vor der Wahl: Projekte trotz kalkulatorischer Risiken fortsetzen oder angesichts der „immensen Kostensteigerungen“ erneut stornieren. Experten des ifo Instituts prognostizieren nun, dass die Zahl der Baufertigstellungen 2026 auf lediglich 185.000 Einheiten abstürzen könnte – weit entfernt also vom Regierungsziel von jährlich 400.000 Wohnungen. Für Mieter in den Metropolen verschärft sich die Lage also weiter. Da der Neubau stockt, trifft eine wachsende Nachfrage auf ein immer kleineres Angebot. Die Angebotsmieten stiegen im ersten Quartal 2026 bereits um 2,9 % im Vergleich zum Vorjahr. In Städten wie Berlin oder München fehlen laut Daten des Bundesinstituts für bau- Stadt- und Raumforschung (BSSR) aktuell über 700.000 Wohnungen, wobei die Lücke jährlich um bis zu 160.000 Einheiten wächst. Anna Maria Müther, BSSR-Wohnungsmarktexpertin, sagt dazu:
„Neue Wohnungen müssen vor allem in den wachstumsstarken Großstädten und ihrem Umland entstehen. Im Fokus stehen dabei Miet- und Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern.“
Politische Hilferufe und Strategien
Die Bundesregierung reagiert natürlich alarmiert auf die wirtschaftliche Abkühlung; die Konjunkturprognose für das BIP-Wachstum wurde für 2026 auf magere 0,5 % bis 0,6 % halbiert. Das Bundeswirtschaftsministerium betont in einem Kurzgutachten, dass der Schutz der Energieinfrastruktur und die Abfederung der Preisschocks nun oberste Priorität haben.
Experten sehen für 2026 ein Jahr der Extreme. Während das BSSR ursprünglich mit einem moderaten Preisanstieg von 2,7 % für Bauleistungen gerechnet hatte, korrigieren die aktuellen Krisenszenarien diese Erwartungen nach oben. Eine nachhaltige Erholung der Baubranche hängt nun maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Lage im Nahen Osten stabilisiert und ob die Energiepreise wieder auf ein kalkulierbares Niveau sinken.



