Ralf Hanke, pixelio.de

Die Freihandelszonen Shanghai, Qianhai und Hongkong

Veröffentlicht: 17.03.2014

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Autoren: Klaus Köhler, Gründer und Vorsitzender der Klako Gruppe und Kristina Köhler – Coluccia , Direktorin der Klako Gruppe

Freihandelszonen wie Shanghai und Sonderwirtschaftszonen wie Qianhai sind nichts Neues in China. Tatsächlich gibt es so viele, dass man hier kaum mehr von einer Besonderheit sprechen kann. Der Trend begann bereits in den 80er Jahren, als China nach Jahrzehnten der wirtschaftlichen und politischen Abschottung begann, seine Tore in Richtung Westen zu öffnen. Die meisten dieser Sonderzonen bieten Unternehmen besondere Regelungen wie Steuererleichterungen und niedrigere Zölle, um den Export zu steigern und ausländische Investoren anzuziehen. Das Pilotprojekt Freihandelszone Shanghai und die Sonderwirtschaftszone Qianhai unterschieden sich jedoch von den bisher üblichen Angeboten. Dieser Artikel beantwortet folgende Fragen:

– Was ist das Besondere an diesen Wirtschaftszonen?
– Welche spezifischen Vorteile für welche Branchen bieten sie?
– Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen Unternehmen?
– Wie wird sich die Rolle Hongkongs aus dem Blickwinkel ausländischer Investoren wandeln und wird Hongkong durch die – beiden neuen Sonderzonen an Attraktivität verlieren?

In diesem Jahr ist Hongkong einmal mehr Favorit für die führende Rolle bei Finanzdienstleistungen in der Region. Derzeit belegt Hongkong Platz 3 im Global Financal Centre Index, der die Wettbewerbsfähigkeit im Finanzsektor für 75 Weltstädte vergleicht. Für gewöhnlich führen London und New York diese Liste mit weitem Abstand an. Dieses Jahr hat Hongkong zum ersten Mal massiv aufgeholt und steht nunmehr nur noch 20 Punkte hinter den beiden Metropolen. Dieser Erfolg beruht auf Hongkongs Fähigkeit, seine Wettbewerbsfähigkeit in fünf Kernbereichen stetig zu verbessern: Das Geschäftsumfeld, die Entwicklung des Finanzsektors, die Infrastruktur, die Personalressourcen und Entwicklungsfaktoren. Durch konstanten Antrieb und stetige Innovation ist die Stadt führend in vielen Bereichen des Finanzdienstleistungssektors.

Welche Risiken bedrohen Hongkong?

Externe mikroökonomische Kräfte haben Hongkongs Entwicklung im Finanzsektor stark befördert, gleichzeitig aber neue Herausforderungen mit sich gebracht. Durch die Liberalisierungspolitik auf dem Festland ist Hongkong inzwischen einer wachsenden Konkurrenz durch Shanghai und Qianhai ausgesetzt. Darüber hinaus holen auch die aufstrebenden asiatischen Finanzzentren immer weiter auf – Singapur steht auf Platz 4 des Global Financial Centre Index, Tokyo steht derzeit auf Platz 5 und könnte Hongkong sogar überholen, wenn dort der stetige Entwicklungsprozess nicht fortgesetzt wird.

Hongkong strebt weiterhin an, das RMB Offshore-Zentrum sein. Für über ein Jahrzehnt war Hongkong die einzige Stadt, in der RMB Offshore-Geschäfte erlaubt waren, aber mit zunehmenden Internationalisierung des Yuan steht Hongkong nun vor der Herausforderung, seine Rolle als führendes Zentrum für den Yuan zu halten. Im Jahr 2012 begann das Festland, Anreize für weitere Städte zu schaffen, in das RMB-Geschäft einzusteigen. Im Inneren des Landes hat die Zentralregierung Qianhai in Shenzhen und Shanghai ausgewählt, um als Testgelände für eine freie Konvertibilität des Yuan zu fungieren. Weltweit betreiben mehrere wichtige Finanzplätze proaktiv Entwicklung ihres RMB- Geschäft, darunter Hongkongs Wettbewerber Singapur und London.

Auch die Lebensqualität könnte sich als Herausforderung für Hongkong weiteren Fortschritt als internationales Finanzzentrum erweisen. Hohe Grundstückspreise und Mieten, Luftverschmutzung und eine gespaltene Gesellschaftsstruktur machen die Stadt weniger attraktiv für talentierte Mitarbeiter, die den dynamischen Kern des Finanzdienstleistungssektors bilden.

Der Weg nach vorn für Hongkong

Die Stadt sollte weiterhin von Handel, Investitionen, Finanzen und Wirtschaftskraft der Unternehmen auf dem Festland profitieren. Schließlich gedeihen Wirtschaftskraft und finanzielle Stärke in der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt weiterhin, und Hongkong sollte diesen wachsenden Markt nicht vernachlässigen.

Die Tatsache, dass es eine zunehmende Anzahl an Offshore- Yuan -Finanzzentren gibt, muss nicht unbedingt ein Nachteil für die weitere Entwicklung Hongkongs sein. Weitere Zentren könnten den Weg der Internationalisierung des Yuan erleichtern und den Markt insgesamt deutlich vergrößern.. Es besteht kein Zweifel daran, dass Hongkongs Marktanteil in diesem Bereich zurückgehen wird, aber das Volumen des Yuan -Geschäfts wird in jedem Fall wachsen, und ein Großteil des RMB-Geschäfts kommt schlussendlich in Hongkong an, da die Stadt den liquidesten Markt in allen Produkten bietet. Um seine Stärke zu erhalten während sich andere Finanzzentren zu entwickeln, muss Hongkong weiter die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen vorantreiben, die Geschäftsansiedlungen und Investitionen in die chinesische Währung unterstützen.

Hongkong ist ein Paradies für innovative Start-ups und KMU, die in Asien Fuß fassen wollen. Als Schmelztiegel der Kulturen mit einem hohen Anteil gut ausgebildeter Arbeitskräfte, attraktiven Steuerkonditionen und reduzierten Verwaltungsstrukturen ist Hongkong ein idealer Unternehmensstandort. Die Regierung bietet darüber hinaus eine Vielzahl von Angeboten wie subventionierte Büroflächen, finanzielle Unterstützung beim Marketing, Finanz-Garantien, usw.

Zusammenfassung

Hongkong bleibt innerhalb Asiens weiterhin der führende Standort für Geschäftsansiedlungen: sei es für start-ups, KMU, multinationale Unternehmen oder Finanzdienstleister. Anstatt zu befürchten , dass Qianhai in der Zukunft Hongkong den Rang ablaufen könnte, sollten Anleger unserer Meinung nach berücksichtigen, dass Hongkong zusammen mit Qianhai wachsen und in den kommenden Jahren ein weitaus größeres Finanz-und Dienstleistungszentrum in Ostasien bilden wird.

Auch Qianhai muss sich dem direkten Wettbewerb stellen: der Shanghai Freihandelszone. Schon gibt es Berichte, dass erste Unternehmen, die geplant hatten in Qianhai zu investieren, ihre Pläne neu überdenken.
Angesichts der Vorliebe Pekings für kleine Schritte und strenge Regulierung bleibt abzuwarten, wie schnell die angekündigten Währungs-, Zins -und Kapitalverkehrs-Reformen tatsächlich umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen in anderen Märkten es ist eine berechtigte Sorge, dass die Lockerung von Währungsrestriktionen im Kapitalverkehr China wesentlich anfälliger für plötzliche, möglicherweise destabilisierende Zuflüsse und Abflüsse von Anlagekapital machen könnte. Die Regierung hat versprochen, den Renminbi voll konvertierbar zu machen, doch viele Beobachter glauben, dass die Umsetzung dieses Versprechens in der nahen Zukunft eher unwahrscheinlich ist.
Was bedeuten all diese Entwicklungen für Hongkong, sogar wenn der Renminbi zu einer voll konvertierbaren Währung werden und sich Qianhai zu einem florierenden Finanzdienstleistungszentrum entwickeln würde? Die meisten Analysten glauben, dass sowohl ausländische Unternehmen, die den chinesischen Markt investieren wollen, als auch chinesische Unternehmen, die Offshore investieren wollen, weiterhin ein hohes Interesse an den verlässlichen Rechtsgrundlagen, den transparenten Märkte und dem Know-how im Finanzsektor haben werden. Finanzzentren werden nur dann zu internationalen Drehkreuzen, wenn Investoren davon ausgehen, dass sie gerechte und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen aufweisen. Dies erfordert Transparenz, ein unabhängiges Rechtssystem und die Bereitschaft, internationale Normen und Gesetze anzuerkennen. Nichts davon ist bis heute in China der Fall.

Die Shanghai Freihandelszone ist ein ganz wichtiger Schritt zur Förderung von Reformen und Investitionen in China. Doch angesichts der sehr allgemein gehaltenen Form in der offiziellen Bekanntmachung und in den Regulierungen der Stadtregierung, müssen viele Details weiter ausgearbeitet werden, und es bleiben eine Reihe von Unsicherheiten:

• Die Negativliste basiert auf dem aktuellen „Catalogue of Industries for Guiding Foreign Investment“ ohne wesentliche Änderungen.

• Auch wenn für ausländische Investitionsprojekte, die nicht auf der Negativliste aufgeführt sind, nur eine einfache Anmeldung ausreicht und kein Genehmigungsverfahren notwendig ist, sind die Unterschiede zwischen den beiden Verfahren in der Praxis unter Umständen nicht so signifikant, wie erwartet.

• Finanzreformen gehören zu den wichtigsten Maßnahmen, die Investoren von der Shanghai Free Trade Zone erwarten. Doch die offizielle Bekanntmachung erwähnt nur allgemein die freie Konvertierung von RMB Kapitalflüssen und die Liberalisierung von Zinssätzen und Wechselkursen, ohne jedoch Details oder einen Zeitplan für die Umsetzung zu geben.

• Die offizielle Bekanntmachung erwähnt nirgendwo eine Reduzierung bei er Besteuerung (EIT). So unterliegen Unternehmen in der Shanghai Free Trade Zone noch immer der Standard-Besteuerung von 25 Prozent, und nicht dem bereits diskutierten Satz von 15 Prozent. In dieser Hinsicht ist die Shanghai Free Trade Zone weniger konkurrenzfähig als andere Sonderwirtschaftszonen wie der Qianhai Pilot-Wirtschaftszone in Shenzhen.

• Derzeit werden Anmeldungen nicht innerhalb von 5 Arbeitstagen abgewickelt, sondern benötigen genauso lang wie außerhalb der Freihandelszone.

Um es abschließend zu wiederholen: Hongkong scheint immer noch das stabile Umfeld zu bieten, in dem Unternehmer gerne ihre Geschäfte etablieren. Die Menschen sind sich nicht bewusst, wie lange es dauern wird, Verbesserungen und Reformen in den Freihandelszonen in China umzusetzen. Geduld ist einer der Schlüssel zum Erfolg in China, und wir empfehlen intensive Beratung bei der Wahl des richtigen Standorts für das jeweilige Geschäftsmodell.

Autoren: Klaus Köhler, Gründer und Vorsitzender der Klako Gruppe, und Kristina Köhler , Direktor der Klako Gruppe

Über die Klako Group:
Klako Group ist eine im Jahre 1979 gegründete, internationale Management-Beratungsgesellschaft, die umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Markteintrittsstrategien, Firmengründungen, Steueroptimierungen, Buchhaltung sowie Personalwesen für Unternehmen anbietet, die in China, Hong Kong oder Singapur tätig werden wollen. Klako Group besteht aus einem Team von über 120 nationalen und internationalen Steuerberatern und Unternehmensberatern in 10 Büros in China, Hong Kong und Singapur. Durch die große kulturelle sowie fachliche Vielfalt weiß Klako Group die Bedürfnisse ihrer Kunden zu verstehen und ein individuelles, integriertes Servicepacket anzubieten. Die jahrzehntelange Erfahrung und das umfassende Wissen über den westlichen und asiatischen Raum zu teilen, gehört zu den wichtigsten Erfolgsprinzipien der Klako Group.

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