Der Fachkräftemangel sorgt im Mittelstand für teils starke Umsatzeinbußen (Bild: Pixabay)

Fachkräftemangel greift Umsatz im Mittelstand an

Veröffentlicht: 06.02.2017

Vom Fachkräftemangel in Deutschland geht zunehmend eine Gefahr für die Umsatzzahlen im Mittelstand aus. So gehen dem Mittelstand bereits jetzt jährlich 49 Milliarden Euro Umsatz durch fehlende Fachkräfte verloren. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) hervor.

Rund jedes zweite Unternehmen beklagt demnach, wegen fehlender Fachleute Aufträge nicht annehmen zu können, erklärte die Beratung, die in ihrer Studie rund 3000 Mittelständler befragt hat. Laut der Umfrage spreche jede neunte Firma sogar von Umsatzausfällen von mehr als fünf Prozent.

Fast 80 Prozent der Firmen betroffen

Insgesamt gaben 78 Prozent der Unternehmen an, dass es ihnen schwerfalle, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden – vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 69 Prozent, Anfang 2015 bei 67 Prozent. Besonders zwei der wichtigsten deutschen Branchen – Kraftfahrzeugbau und Elektrotechnik – berichten von Problemen bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter: In diesen Branchen fällt es 89 bzw. 84 Prozent der Unternehmen schwer, offene Stellen adäquat zu besetzen.

Somit überrascht es nicht, dass der Fachkräftemangel in der Studie von den mittelständischen Unternehmen als das größte Risiko für das eigene Unternehmen gesehen wird – noch vor einer möglichen Konjunkturabschwächung, Hackerangriffen oder zunehmenden geopolitischen Spannungen.

Schaden von 49 Milliarden Euro durch entgangene Aufträge

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften macht sich auch schon ganz konkret in den Büchern der Unternehmen bemerkbar: Gut jeder zweite Mittelständler (53 Prozent; Vorjahr: 49 Prozent) beklagt, dass er Aufträge nicht annehmen kann, weil ihm geeignete Fachkräfte fehlen. Daraus ergibt sich insgesamt nach EY-Berechnungen ein Schaden von jährlich gut 49 Milliarden Euro für den deutschen Mittelstand. Immerhin zeigt die Studie auch, dass 47 Prozent der befragten Unternehmen keine direkten Umsatzeinbußen durch den Fachkräftemangel hinnehmen müssen.

Dennoch: „Viele Unternehmen suchen händeringend nach hoch qualifizierten Mitarbeitern“, sagt Peter Englisch, Partner bei EY. „In manchen Regionen ist der Arbeitsmarkt leergefegt. Größere Unternehmen suchen daher zunehmend im Ausland nach Mitarbeitern oder bauen entsprechende Funktionen außerhalb Deutschlands aus.“

Aber die Bereitschaft, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, ist auch in Deutschland so hoch wie seit Jahren nicht: 33 Prozent der Mittelständler planen laut der Studie, die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland zu erhöhen – der höchste Wert seit zehn Jahren.

IT-Experten für Mittelstand in Zukunft schwerer zu finden

Besonders gesucht sind Fachkräfte in den Bereichen Produktion (50 Prozent der Unternehmen haben zahlreiche offene Stellen) und Vertrieb/Kundendienst (25 Prozent). Über viele Vakanzen im IT-Bereich berichten hingegen nur 15 Prozent der Unternehmen – zukünftig dürfte dieser Anteil aber deutlich steigen, erwartet Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland: „Die Digitalisierung erfasst immer mehr Branchen, auch in bislang IT-fremden Bereichen werden zunehmend Softwarespezialisten gesucht. Während einfache Tätigkeiten zukünftig dank der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung in Produktion und Logistik immer seltener nachgefragt werden, wird in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Softwareexperten erheblich steigen.“

Gerade im Wettbewerb um solche Digitalisierungsexperten sieht EY-Partner Peter Englisch den Mittelstand im Nachteil: „Gerade kleinere Unternehmen in ländlicheren Regionen, deren Produkte in der breiten Bevölkerung wenig bekannt sind, werden es tendenziell immer schwerer haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“

Die ganze Studie finden Sie unter: http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/ey-mittelstandsbarometer-januar-2017/$FILE/ey-mittelstandsbarometer-januar-2017.pdf

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