Chinas rasanter Aufstieg zur Industrie-Exportmacht macht sich immer mehr auch in Bayerns Wirtschaft bemerkbar: 78 Prozent der vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) befragten Unternehmen sehen sich einer zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber ausgesetzt.
Drei Viertel der Betriebe spüren steigenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Importe
Damit liegt Bayern deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 67 Prozent. Fast jedes zweite befragte Unternehmen bewertet die Auswirkungen des Wettbewerbs aus China als stark oder sehr stark. Dabei beschränkt sich der Konkurrenzdruck nicht auf den chinesischen Markt. Bayerische Unternehmen spüren ihn zunehmend auch in Deutschland, im europäischen Binnenmarkt und auf Drittmärkten.
„Der Wettbewerb mit China wird härter und trifft unsere Unternehmen inzwischen auf nahezu allen Märkten und in allen Produktkategorien“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Gestützt durch seine staatliche Industriepolitik und Subventionen flutet China die Märkte mit hochwertigen Industrie- und Investitionsgütern wie E-Autos, Batterie- und Akkutechnologie, Elektronik, Photovoltaikanlagen, Maschinen und Chemieprodukten, aber auch mit Konsumgütern aller Art. Unsere Antwort darauf darf aber nicht allgemeine Abschottung sein. Die EU muss vielmehr auf faire Wettbewerbsbedingungen pochen: Wer europäischen Unternehmen den Zugang zum eigenen Markt erschwert oder eigene Anbieterstaatlich massiv unterstützt, muss mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen rechnen.“
So hatte die EU bereits 2024 Strafzölle auf E-Autos von verschiedenen chinesischen Herstellern verhängt, die laut EU-Kommission von wettbewerbsverzerrenden staatlichen Subventionen profitierten. „Europa muss weiter selbstbewusst auftreten und bestehende Regeln konsequent durchsetzen“, fordert BIHK-Chef Gößl.
Dreiklang aus Innovation, Resilienz und Marktpräsenz
- Ausbau der Innovationsführerschaft und des Technologievorsprungs: Um dem enormen Preisdruck durch staatlich subventionierte Produkte standzuhalten, forcieren bayerische Betriebe ihre traditionelle Stärke – die technologische Exzellenz. Statt auf einen reinen Preiskampf einzusteigen, investieren Unternehmen massiv in Forschung und Entwicklung. Durch die Spezialisierung auf hocheffiziente Industrie-4.0-Anwendungen, maßgeschneiderte Softwarelösungen und KI-gestützte, ressourcenschonende Produktionstechnologien schaffen sie qualitative Alleinstellungsmerkmale, die von der Konkurrenz nicht ohne Weiteres kopiert werden können.
- Diversifizierung der Lieferketten („Derisking“): Als Reaktion auf geopolitische Risiken und einseitige Abhängigkeiten strukturieren viele bayerische Unternehmen ihre Beschaffungswege grundlegend um. Unter dem Leitmotiv des „Derisking“ reduzieren sie den Bezug von kritischen Vorprodukten und Rohstoffen aus China. Stattdessen bauen sie gezielt alternative Liefernetzwerke in anderen asiatischen Wachstumsmärkten, in Nordamerika sowie über das sogenannte „Nearshoring“ direkt in Europa auf. Dies minimiert das Risiko von Produktionsausfällen bei Handelskonflikten und stärkt die logistische Resilienz.
- Gezielte Partnerschaften und Marktpräsenz vor Ort: Trotz der verschärften Konkurrenz bleibt China für viele bayerische Schlüsselindustrien ein unverzichtbarer Absatzmarkt und ein wichtiges Innovationszentrum. Viele Konzerne und Mittelständler verfolgen daher vermehrt die Strategie „In China für China“. Durch die Verlagerung von Entwicklungs- und Produktionskapazitäten direkt in die Volksrepublik können lokale Trends schneller adaptiert und regulatorische Vorgaben flexibler erfüllt werden. Strategische Joint Ventures und Kooperationen vor Ort helfen zudem, den Marktzugang langfristig abzusichern und die Dynamik der chinesischen Mitbewerber frühzeitig zu analysieren.



