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Mittelstand in Bayern

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Unternehmen in Bayern besonders von Handelskonflikten und Brexit betroffen

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Die internationalen Unsicherheiten lösen Besorgnis bei den Unternehmen aus (Bild: Pixabay)

Politische Handelskonflikte, Krisen und der Brexit treffen die Unternehmen aus Oberbayern besonders bei ihren Exportbemühungen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Mittelstandsstudie der Commerzbank mit dem Titel „Wie sicher sind die Märkte? Risiken managen im internationalen Geschäft“. Dafür wurden bundesweit über 2.000 Unternehmern (davon 115 aus Oberbayern) mit einem Jahresumsatz von mehr als 2 Millionen Euro befragt. Bürokratische Anforderungen und politische Instabilität sind demnach die häufigsten Export-Probleme der Unternehmen.

Unternehmen setzen auf Export

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass der Mittelstand trotz internationaler Krisen weiter auf Internationalisierung setzt. Aktuell exportieren 56 Prozent der oberbayerischen Unternehmen, davon 54 Prozent in den Euroraum. Wesentlicher Treiber für die Internationalisierung ist für 85 Prozent der Unternehmen die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produkte. Weitere Treiber sind neue Produkte oder Geschäftsmodelle (76 Prozent) und günstige finanzielle Rahmenbedingungen (60 Prozent). Jedoch verändern geopolitische Turbulenzen wie anhaltende Handelsspannungen und der Brexit das internationale Gefüge. „Eine wichtige Erkenntnis für uns als Bank ist, dass Unternehmen mit Potenzial für Internationalisierung angesichts der geopolitischen Situation und vermuteten Unsicherheiten bei Auslandsinvestitionen zögern“, kommentiert der Firmenkundenchef der Commerzbank, Bernhard Geyer, die aktuelle Studie. „Wir sehen uns deshalb aufgefordert, den Mittelstand dabei zu unterstützen und beherrschbare Risiken beim Gang ins Ausland abzusichern. Unternehmen aus Oberbayern sollten ihre Chancen auf den Weltmärkten auch weiterhin nutzen.“

Unternehmen kämpfen mit Bürokratie und politischer Unberechenbarkeit

Die meisten Hindernisse bei der Internationalisierung sind operativ: Über Dreiviertel (77 Prozent) aller deutschen Unternehmen nennt Bürokratie als das größte Problem im Auslandsgeschäft. Auf Platz zwei der Barrieren werden von 68 Prozent der Unternehmen politische Unsicherheiten im Ausland benannt. Preisschwankungen bei Rohstoffen (57 Prozent) sowie Einfuhrzölle (54 Prozent) stellen weitere Hürden dar. 69 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den nächsten zwei Jahren mit einer konjunkturellen Eintrübung und 62 Prozent mit geringerer Planungssicherheit. „Gründe hierfür sind politische und wirtschaftliche Unsicherheiten“, erläutert Commerzbank-Firmenkundenchef Geyer. 58 Prozent bewerten die zunehmenden globalen Handelskonflikte negativ für die eigene Geschäftstätigkeit, 48 Prozent den möglichen Brexit.

Dieselkrise belastet 50 Prozent der Unternehmen – Klimawandel ein Drittel 

Aber auch nationale Themen belasten die Unternehmen in Oberbayern: 50 Prozent rechnen mit negativen Auswirkungen der Dieselkrise auf die eigene Geschäftstätigkeit. Immer mehr thematisiert werden auch die Folgen des Klimawandels: 31 Prozent der Unternehmen fürchten negative Folgen, – innerhalb der Ernährungs- und Genussmittelindustrie sogar 77 Prozent. „Die steigende Debatte um die Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmen halte ich für sehr relevant. Beispiel „Große Hitze“: dabei geht es nicht nur um den Ernteausfall und den daraus resultierenden Produktengpässen.  Gleichzeitig ist auch die Logistik durch Straßenschäden oder zu wenig Wasser in den Flüssen betroffen weshalb Schiffe die Waren nicht mehr transportieren können. Um dennoch lieferfähig zu sein werden Unternehmen von der Just-in-time-Strategie weg, – wieder hin zu einer größeren Lagerhaltung übergehen. Das wiederum verursacht höhere Kosten, die am Ende der Verbraucher durch einen höheren Kaufpreis bezahlen muss“, erläutert Commerzbank-Firmenkundenchef Geyer die Situation. „Alarm ist dennoch fehl am Platz. Stattdessen muss genau geprüft werden, wer welche Themen lösen kann. Auf der politischen Ebene ist unsere Bundesregierung und die EU gefragt“, so Geyer weiter.

Mittelstand international eher auf dem Rückzug

Ein Blick auf die Ergebnisse der Gesamtstudie zeigt, dass exportierende Unternehmen – je nach Größe – unterschiedliche Anpassungen an ihre Auslandsaktivitäten vornehmen. Der Trend: Große Unternehmen erschließen neue Märkte. Kleinere Unternehmen fokussieren sich stärker auf den deutschen Markt. Mittelständler mit bis zu 15 Millionen Euro Jahresumsatz passen ihre Auslandsaktivitäten an, indem sie sich stärker auf den deutschen Markt (46 Prozent) und den EU-Binnenmarkt (41 Prozent) fokussieren. „Damit hat der kleine Mittelstand deutlich mehr Rückzugsgedanken als große Unternehmen“, sagt Commerzbank-Experte Geyer.

Große Unternehmen über 100 Millionen Euro sind aufgrund Ihrer Exporterfahrung expansiver unterwegs. Sie erschließen häufiger neue Auslandsmärkte und orientieren sich zu 40 Prozent stärker in Richtung Schwellenländer. Am häufigsten wollen exportierende Unternehmen neue Auslandsmärkte in Indien und den USA (je 14 Prozent) sowie Polen (13 Prozent) erschließen. Umgekehrt gelten die Türkei (33 Prozent), Russland und Iran (je 10 Prozent) als Rückzugsländer. „Die gute internationale Aufstellung der Bayerischen Unternehmen macht mir Mut und sollte als Vorbild auch für viele kleinere Unternehmen dienen,“ betont Geyer. „Ich würde mich daher freuen, wenn die kleineren von den Erfahrungen der größeren Unternehmen lernen würden, um ebenfalls ihre Chancen international zu nutzen“, resümiert Commerzbank-Firmenkundenchef Geyer

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