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Die Anzahl der neu gegründeten Unternehmen in Bayern war auch 2017 weiter rückläufig (Bild: Pixabay)

Ist Bayern kein Gründerland mehr?

Veröffentlicht: 07.06.2018

Während die Arbeitslosenzahlen in Bayern auf einem neuen Rekordtief liegen, geht auch die Zahl der neugegründeten Unternehmen im Freistaat erneut zurück. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Eintragungen von Unternehmen 2017 um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lag bei 98.313. Die Arbeitslosenrate in Bayern lag im Mai hingegen bei 2,7 Prozent, was ein historisches Allzeittief bedeutete.

 

Gute Verfassung des Arbeitsmarktes als Hindernis für Gründungen?

Diese parallele Entwicklung legt die Vermutung nahe, dass sich die gute Lage am Arbeitsmarkt negativ auf Gründungen von Unternehmen auswirkt. 2017 gab es insgesamt in Deutschland sieben Mal mehr Chancengründungen (das sind Gründungen, die eine eigene Geschäftsidee verwirklichen wollen) als Gründungen aus einem Mangel an Erwerbsalternativen. Auch BIHK-Präsident Eberhard Sasse meint: „Der bayerische Arbeitsmarkt bietet praktisch flächendeckend Vollbeschäftigung. Damit sinkt das Interesse an einer unternehmerischen Selbstständigkeit und den damit verbundenen Risiken.“ Doch kann der florierende Arbeitsmarkt alleine eine Erklärung für die geringe Zahl an Gründern in Bayern und Deutschland sein?

Dem aktuellen Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2017/18 zufolge sind die Probleme in Deutschland weit gravierender: Die Studie zeigt deutliche Schwachstellen des Gründerklimas in der Bundesrepublik. Außerdem belegt Deutschland im „Starting a Business Rating“ der Weltbank abgeschlagen den Platz 114 von 190 Ländern. Zum Vergleich: Länder wie der Iran oder Madagaskar liegen vor Deutschland und Guatemala nur knapp dahinter.

Warum sind die Voraussetzungen für Unternehmensgründungen so schlecht?

Generell wird laut GEM das Gründen von neuen Unternehmen hierzulande von verhältnismäßig hohen finanziellen und bürokratischen Hürden begleitet und nimmt eine vergleichsweise lange Zeitspanne in Anspruch. Hinzu kommt, dass Innovationen und Forschung & Entwicklung im internationalen Vergleich in Deutschland nicht besonders stark gefördert werden. Gerade der Mangel an Risikokapital für innovative Startups zeigt dies. Trotz allem sehen 42 Prozent der 2017 befragten Personen in der ihrer Region in den nächsten sechs Monaten gute Chancen für eine Unternehmensgründung – so viele wie nie zuvor. Auch bestehen mittlerweile in Deutschland und in Bayern zahlreiche Förderinstrumente für Gründungen und junge Unternehmen.

Schwächen bleiben bestehen

Dennoch bleiben viele Schwächen bestehen, die die Zunahme der Unternehmensgründungen behindern. So kommt beispielsweise der unternehmerischen Bildung in Schulen und darüber hinaus in Deutschland im internationalen Vergleich nur ein sehr kleiner Stellenwert zu. Auch wird der Beruf des Unternehmers in Deutschland nicht so gut angesehen wie in anderen Ländern. Hier kommt erschwerend hinzu, dass die Wahl einer Unternehmerkarriere in Deutschland nur von etwa 51 Prozent als gute Karrieremöglichkeit gesehen wird.

Dennoch positive Entwicklung in Deutschland

Daher ist es insgesamt nicht überraschend, dass die Gründerquote 2017 im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland weiter gefallen ist. Laut dem KfW-Gründungsmonitor lag Sie bei 1,08  Prozent und damit auf einem Rekordtief.

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