Quo vadis BWL?

Veröffentlicht: 27.07.2012

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Neuausrichtung der MBA-Ausbildung für CREA LEADER

Der Stern der klassischen BWL ist am Sinken und die traditionelle MBA-Ausbildung an den ruhmreichen Business Schools, den Hochburgen des Fachs, ist in Verruf geraten. Dipak Jain benutzt eine griffige Metapher, um den drohenden Absturz der einstigen Katerschmieden zu erklären: „Business Schools sind wie die US-Airlines, beide sind ausgebucht, aber beide verlieren: Fluggesellschaften Geld, Kaderschmieden Reputation.“(1) Dipak Jain ist nicht irgendein Kritiker. Er ist Dean am INSEAD, die internationale Business School mit Standorten in Fontainebleau, France, Singapore and Abu Dhabi. So wie Jain, stellen inzwischen immer mehr prominente Repräsentanten der BWL die lange Zeit vorherrschende, einseitige Konzentration auf Effektivität und Effizienz sowie die Mantras der Optimierungsregeln in Frage.

Die geforderte Neuausrichtung der betriebswirtschaftlichen Ausbildung ist nicht zuletzt eine nötige Folge der Finanzkrise. Die klassischen Rezepte des einstigen Musterfachs und die einseitigen Handlungsregeln von Optimierung und Profit versagten in der Krisensituation als Leitplanken total. Die Jagd nach dem kurzfristigen Vorteil, nach noch mehr Effizienz, wird seit der Krise viel kritischer gesehen. Die Kritik geht einher mit der Forderung nach einer distanzierteren Haltung gegenüber dem lange dominierenden amerikanischen Management-Modell, dem wir fast schon heilsbringend folgten. „Die Betriebswirtschaftslehre hat sich jahrzehntelang vom amerikanischen Management-Modell dominieren lassen“ kritisiert Professor Dr. Burkhard Schwenker, Chairman der Unternehmensberatung Roland Berger. Der kurzfristige, finanz- und kapitalmarktorientierte amerikanische Managementstil stößt an seine Grenzen und macht die Notwendigkeit einer ergänzenden langfristigen und nachhaltigen Ausrichtung deutlich. Insbesondere europäische und deutsche Werte, die auf eine lange Tradition zurückblicken, bieten hier wertvolle Impulse für eine inhaltliche Wiedergeburt der BWL und der Führungslehre. Nachhaltigkeit, kreative Handwerks- und Erfinderkultur sowie inspiratives, d. h. zukunftsweisendes und gleichzeitig verantwortungsvolles Unternehmertum sind die tragenden Säulen der Neuausrichtung. Die Unternehmen brauchen wieder eine Innovationskultur wie zu Zeiten von Carl Benz, Werner von Siemens, Ludwig Erhard oder Adi Dassler. Inspirative Führung auf der Basis kreativen Denkens.

Aus diesem Grund sollen Studierende von Wirtschafts- und MBA-Studiengängen nicht nur BWL lernen. Professor Roland Deiser, Leiter des Netzwerks European Corporate Learning Forum (ECLF), unterstreicht dies mit den Worten: „Wenn es um erfolgreiches Handeln in komplexen und mehrdeutigen Umgebungen geht, greifen die von der Betriebswirtschaftslehre vermittelten Kompetenzen bei weitem zu kurz.“(3) Ein Grundlagenwerk wie beispielsweise „Die Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaft“ von Günter Wöhe und Ulrich Döring, in der 22. Auflage, wird diesen Anforderungen nur noch teilweise gerecht. BWL gelangt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Überall dort, wo weiche Faktoren über den Erfolg entscheiden, kann das klassische Lehrfach wenig beitragen: Kreativität, Inspiration und Risikofreude vermittelt das Fach nicht. Gerade darauf aber komme es in turbulenten Zeiten an, wenn sich Unternehmen immer wieder neu erfinden müssen. Gute Belege für seine These sind der Energy Drink Red Bull, das iPhone von Apple oder der Markt für Cappuccino. Konventionelle Denkweise mit Marktstudien und Wettbewerbsanalysen hätte diese Erfolgsprodukte nie hervorbringen können. „Ein Produkt von der Eleganz eines iPhone benötigt die Vision und den Mut eines Künstlers und ein tiefergehendes Verständnis von Emotion und Inspiration.“(4) Dieser Ansatz jedoch komme in der Denkweise eines Betriebswirtschaftlers nicht vor – zumindest nicht in der eines konventionellen Betriebswirtschaftlers. Die moderne MBA-Ausbildung muss interdisziplinär sein. Zwar ist grundlegendes Wissen der BWL nach wie vor wichtig, es reicht aber bei weitem nicht mehr aus. Gefragt sind ergänzend Disziplinen wie Kunst und Design, Interkulturelle Kommunikation, Meditation, Erlebnispräsentation, Improvisationstheater, Multimedia und Kommunikation, Farbpsychologie, Positive Psychologie, Systemische Marketingaufstellung, Mentaltraining oder Kreativität und Intuition. Diese Kompetenzfelder sucht man in den klassischen MBA-Programmen bislang vergebens.

Es sind jedoch genau solche Wissensbereiche, die eine moderne Managementausbildung heute benötigt. Die IBM CEO Studie 2012 belegt dies ebenfalls eindrücklich. Die Kernaussagen lauten für die CEOs: Mitarbeiter durch Werte stärken, sie in ihrer Kreativität fördern, Kunden als Individuum behandeln und Innovation durch Partnerschaft vorantreiben.(6) Die Firmen stärken durch kreative Mitarbeiter ihre Fähigkeit, auf die Herausforderungen unserer Zeit angemessen zu reagieren. Komplexe, neue und anspruchsvolle Probleme können nicht durch Routinelösungen behoben werden. Unternehmenslenker müssen ihr bisheriges Vorgehen und Wissen überdenken und kreativ werden. Oder mit den Worten Albert Einsteins ausgedrückt: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“(7)

Die Organisationen des 21. Jahrhunderts brauchen Crea Scouts®, Querdenker, Leute mit Leidenschaft, Neugier, Mut, und der Offenheit, Bestehendes in Frage zu stellen. Sie brauchen CREA LEADER®, die den Reichtum der im Unternehmen vorhandenen kreativen Energie durch das übergreifende Management von Netzwerkarchitekturen fördern. Sie begreifen kreatives Leadership und kreatives Management als sinnvolle Ergänzung und nicht als ein „Entweder-Oder“. Es kommt nämlich nicht nur darauf an, „die richtigen Dinge zu tun“, sondern sie auch „richtig zu tun“. Und sie brauchen ethische Authentizität – glaubwürdig gelebte Werte jenseits der Maximierung von Shareholder Value und eine Rückbesinnung auf humanistische Werte und Nachhaltigkeit. Der MBA-Studiengang der Hochschule Ansbach (www.mba-kmm.de) ist ein Vertreter dieser neuen Generation von interdisziplinären MBA-Programmen, mit dem Schwerpunkt der kreativen Unternehmensführung (CREA LEADERSHIP®).8 Mit einem interdisziplinären Studienprogramm (fachliche, methodische, soziale, intuitive und persönliche Kompetenz) stehen die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Führungskräfte und das kreative Problemlösen im Vordergrund.

Die Studierenden werden zum optimistischen CREA LEADER® der eine neue und offene Sichtweise für das dynamische und anspruchsvolle Unternehmensumfeld gewinnt. Ganz im Sinne von Winston Churchill begreifen die Unternehmen die Bedeutung der Kreativität als den entscheidenden Wettbewerbsfaktor der Zukunft. „A pessimist sees difficulties in every opportunity, an optimist sees opportunities in every difficulty!“ (9)

Quellen:
1) Gloger, Axel, Das Ende der BWL – Managementlehre in der Krise, managerSeminare, Heft Nr. 168, Jg. 2012
2) Schwenker, Burkhard, Prof. Dr., AmCham Annual Membership Meeting 2012, „Europa und USA: Partner in einer multipolaren Welt“, Hamburg, 11. Mai 2012
3) Deiser, Roland: Warum das Management-Studium Querdenker braucht, Handelsblatt Nr. 199, vom 14.10.2011, Seite 69
4) Deiser, Roland: http://www.karriere.de/mba/warum-das-management-studium-querdenker-braucht-164172/
5) http://www-935.ibm.com/services/de/ceo/ceostudy/
6) IBM CEO Studie 2012
7) Zitat Albert Einstein
8) Müller, J./Rippel, J. (2011), CREA LEADERSHIP – Der kreative Weg zur Innovation
9) Zitat Winston Churchill

Übert den Autor:
Prof. Dr. Jochem Müller lehrt Marketing und Controlling an der University of Applied Science in Ansbach. Er leitet den Studiengang „Kreatives Marketing Management“, ist Vorsitzender der Prüfungskommission im Studiengang „Kreatives Marketing Management“ und Mitglied im Prüfungsausschuss. Darüber hinaus leitet er das „Controlling Forum“ sowie das Institut für kreatives Marketing MARKETIA.

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