Das anhaltende Niedrigzinsniveau macht andere Anlageformen für Mittelständische Unternehmen attraktiv (Bild: Pixabay)
Das anhaltende Niedrigzinsniveau macht andere Anlageformen für Mittelständische Unternehmen attraktiv (Bild: Pixabay)

Studie zeigt: Mittelstand überdenkt Anlageverhalten

Veröffentlicht: 10.10.2016

Angesichts des anhaltenden niedrigen Zinsniveaus stellen sich nicht nur Sparer die Frage, wie sie ihr Geld gewinnbringend anlegen können; auch mittelständische Firmen stehen vor einem Problem.

Nach einer Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld mit der Commerzbank zum „Finanzanlageverhalten mittelständischer Unternehmen“ hat sich der Anteil der Unternehmen mit Anlagebedarf weiter erhöht, auf nun 57 Prozent. Als Grund nennt Prof. Dr. Volker Wittberg, Studien- und Projektleiter, die gute Geschäftslage der Mittelständler mit entsprechender Kassenlage. Auch der durchschnittliche Anlagebetrag der Unternehmen ist weiter auf hohem Niveau und beträgt demnach 4,7 Millionen Euro. Ein Rückgang ist lediglich bei den Anlagevolumina größerer Mittelständler zu verzeichnen, die versuchen, Guthabengebühren zu vermeiden.

Weit entfernt von der Realität bewegen sich allerdings die Zinsvorstellungen der Mittelständler: Mit ca. 3 % liegen sie weit über dem derzeitigen Marktzins und sind gegenüber dem Vorjahr sogar noch um 0,6 Prozentpunkte erhöht. Diese Erwartung kann unter anderem damit erklärt werden, dass viele Mittelständler als Anlagerendite nicht den Marktzinssatz, sondern eher die Gewinnerwartung an das eigene Unternehmen als Orientierungspunkt sehen.

Hälfte der Pensionsverpflichtungen unterfinanziert

Auch würden manche Unternehmen eine höhere Verzinsung benötigen, um Verpflichtungen erfüllen zu können. Als kritischen Punkt benennt die Studie erstmals die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen – darüber verfügen immerhin 50 Prozent der Befragten. Hier scheint eine Verhaltensänderung notwendig, da bei diesen Mittelständlern die Hälfte nicht oder nicht ausreichend finanziert ist. Nur 45 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine Deckung von mehr als 75 Prozent. Dies wird viele Mittelständler vor Herausforderungen stellen.
„Zur Deckung dieser Lücke werden künftig höhere Einzahlungen notwendig werden. Ein intelligentes Anlagemanagement kann dabei unterstützen, um Renditerückgänge möglichst gering zu halten“, so Prof. Dr. Volker Wittberg.

Mittelständler halten an sicherheitsbedachtem Anlageverhalten fest

Nicht alle Mittelständler sind jedoch bereit, für die gewünschte Mindestverzinsung auch das Anlageverhalten zu verändern: Während sich gut ein Drittel der Befragten trotz keiner oder sogar negativer Rendite stark sicherheitsorientiert verhält, sind rund 40 Prozent der Befragten bereit, für eine höhere Rendite auch Kursschwankungen in Kauf zu nehmen.

„Wir sehen immer mehr, dass sich mittelständische Anleger in zwei Lager aufspalten: Etwa zwei Drittel gehen das Thema aktiv an und suchen unter Inkaufnahme längerer Laufzeiten und mit adjustierten Risikovorstellungen nach Anlagealternativen wie zum Beispiel Fremdwährungsanlagen oder Multi-Asset-Fonds. Das verbleibende Drittel hat das Anlageverhalten bisher kaum geändert“, so Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter Product Management der Commerzbank.

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