Digitalisierung Mittelstand, Bayern, Commerzbank
Diskutierten über die Studienergebnisse und machten Mut zur Digitalsierung. v.l.n.r.: Marc Starzmann (Commerzbank), Dr. Thomas Leissing (Egger Holzwerkstoffe), Alexander Brand (windeln.de), Moderator Jan Hofer (ARD), Michael Kotzbauer(Commerzbank), Michael Stark (Commerzbank), Prof. Dr.-Ing. Gunther Reinhart.

Bayerischer Mittelstand vernachlässigt Digitalisierung

Veröffentlicht: 24.06.2015

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Mittelständische Unternehmen in Bayern haben das Potenzial der Digitalisierung erkannt: Eine breite Mehrheit von 85 Prozent der Unternehmer und Manager sieht in der zunehmenden Digitalisierung eine „große Chance“ für den Industriestandort Deutschland. Knapp die Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) erwartet für die nächsten fünf Jahre ein substanzielles Wachstum. Bereits jedes fünfte Unternehmen in Bayern (18 Prozent) zählt schon heute zu den digitalen Vorreitern. „Das sind Unternehmen, die schon heute überdurchschnittlich stark und erfolgreich auf neue Trends der Digitalisierung setzen, zum Beispiel, um Wertschöpfungsketten zu vernetzen oder um ihre Produkte zu individualisieren. Diese Vorreiter gibt es in allen Branchen und unabhängig von der Unternehmensgröße oder dem Alter der Manager“, erklärte Marc Starzmann, Niederlassungsleiter Commerzbank-Mittelstandsbank in München anlässlich der Pressekonferenz zur Präsentation der Studie „Management im Wandel“: Digitaler, effizienter, flexibler!“ Für diese Studie hatte TNS Infratest im Auftrag der Initiative UnternehmerPerspektiven deutschlandweit Führungskräfte der ersten Ebene in 4.000 mittelständischen Unternehmen befragt, davon 643 in Bayern.

Erwartung mittelfristiges Wachstum nach Bundesländern
Wachstums-Erwartung nach Bundesländern
Evolution statt Revolution bei der Digitalisierung im Mittelstand

Die Mehrheit der Unternehmen in Bayern hat die Chancen der Digitalisierung zwar erkannt, verhält sich aber eher abwartend: 62 Prozent der Befragten räumen durchaus selbstkritisch ein, dass der Mittelstand das Thema Digitalisierung derzeit noch eher vernachlässige. Zwei Drittel der Befragten bewegen sich nach eigenem Bekunden in Märkten, die durch ausgereifte Produkte und Dienstleistungen, starken Verdrängungswettbewerb und immer kürzere Produkt- und Innovationszyklen gekennzeichnet sind. Wichtige Herausforderungen sind aus Sicht der Unternehmer in dieser Situation eher Kostenreduktion und Produktivitätssteigerung (von 38 bzw. 37 Prozent der Befragten genannt) sowie die Entwicklung von Produkt- und Dienstleistungsinnovationen (37 Prozent) als die Erschließung neuer Vertriebswege (30 Prozent). „Kosten und Effizienzsteigerung sind immer richtig anzugehen, aber es erscheint sinnvoll, Digitalisierung nicht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Kosteneffizienz zu betrachten. Traditionelle Unternehmen können hier von Startups lernen; – sie können neue Technologien einsetzen, um Produktivitätsfortschritte zu erzielen. Aber auch gleichzeitig ganz neue Wege ausprobieren, um neue Kundengruppen und Vertriebswege zu erschließen und neue Angebote zu schaffen“, empfiehlt Mittelstandskenner Starzmann.

Zurückhaltend agiert die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland, wenn es um aktuell viel diskutierte Phäno-
mene wie Big Data, Cloud Computing oder Industrie 4.0 geht, während bereits etablierten digitalen Technologien große Bedeutung zugemessen wird. „Unternehmen setzen selbstverständlich auf Online-Marketing, optimieren die Administration, ermöglichen Arbeiten aus dem Home-Office oder bieten Online-Services an. Individualisierte und automatisierte Produktion oder die Vernetzung der Wertschöpfungskette sind dagegen erst bei wenigen Firmen in der Umsetzung“, berichtete Starzmann. Die größten Herausforderungen für die Unternehmen liegen der Studie zufolge in der Komplexität und der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung (52 Prozent), im hohen Investitionsbedarf (50 Prozent), in Datenschutz-Fragen (49 Prozent) und im Fehlen verlässlicher Standards (42 Prozent) – all das führt dazu, dass sich viele Unternehmen in Bezug auf die Digitalisierung erst einmal abwartend verhalten“, resümiert Starzmann.

digitale Innovatoren
Anteil digitaler Innovatoren und deren Verhalten
Probieren geht über Studieren – auch bei der Digitalisierung

Die hohe Komplexität der digitalen Transformation bewirkt, dass sich Unternehmen in Bayern in der Breite eher reaktiv verhalten. In sich schnell verändernden Märkten kann das gefährlich sein – immerhin berichten 33 Prozent der Befragten davon, dass sich Schlüsseltechnologien in ihrer Branche im Umbruch befinden, und 28 Prozent, dass die Digitalisierung sogar bewährte Geschäftsmodelle bedroht. „Der Einzug der digitalen Technologien bietet große Chancen, ist aufgrund der Komplexität aber auch eine gewaltige Managementaufgabe. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden und es rächt sich, beim entscheidenden Trend den Anschluss zu verpassen“, kommentierte Starzmann.

Großer Mittelstand agiert planvoller

Die großen mittelständischen Unternehmen beobachten intensiv die digitalen Entwicklungen in der eigenen Branche, bleiben im Dialog mit Kunden und Geschäftspartnern. Sie agieren dabei planvoller als der kleine Mittelstand, reagieren seltener ad hoc, definieren häufiger Meilensteine, setzen auf externe Beratung und interne Spezialisten. „Digitale Innovatoren initiieren deutlich häufiger eigene Pilotprojekte und schaffen kreative Freiräume. Erfolgreiche und frühzeitige Digitalisierung braucht offenbar neben Wissen und Planung auch Mut zum Ausprobieren, um digitale Potenziale prüfen und zum eigenen Vorteil nutzen zu können“, weiß Michael Stark, Niederlassungs-
leiter München für Großkunden, zu berichten.

Die Schwierigkeiten des digitalen Wandels
Die zentralen Herausforderungen der Digitalisierung
Die Initiative UnternehmerPerspektiven und ihre Studien

Die Mittelstandsinitiative UnternehmerPerspektiven bildet ein Forum für Themen, die mittelständische Unternehmen in Deutschland bewegen, und artikuliert Positionen des Mittelstands in der Öffentlichkeit. Regelmäßig fragt sie dazu umfassend Einschätzungen mittelständischer Unternehmer zu aktuellen Themen ab – die Datenbasis bilden repräsentative Umfragen mit 4.000 Führungskräften der ersten Ebene. Die Studienergebnisse werden mit Vertretern aus Wirtschaft, Verbänden, Politik und Wissenschaft – auch auf öffentlichen Podien – diskutiert, um gegenseitiges Verständnis zu schaffen und tragfähige Lösungsansätze für die Herausforderungen des Mittelstands zu entwickeln.

Die kompletten Ergebnisse der aktuellen Studie „Management im Wandel: Digitaler, effizienter, flexibler!“, einen Überblick über die bisherigen Publikationen sowie weitere Informationen zur Initiative finden Sie unter
www.unternehmerperspektiven.de.

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