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Lange Zahlungsziele und schlechtes Zahlungsverhalten: So bleiben Sie trotzdem liquide

Als Unternehmer hören Sie regelmäßig den Wunsch Ihrer Kunden, die Rechnung erst zu einem späteren Zeitpunkt zu bezahlen. Um sich von der Konkurrenz abzuheben und den Kunden nicht zu verlieren, gehen Sie auf den Wunsch ein. Das bedeutet zwar einen Geschäftsabschluss, aber auch einen um bis zu 90 Tage verspäteten Zahlungseingang. Sie wissen auch nicht, ob der Käufer bei Erreichen des Zahlungsziels den Rechnungsbetrag tatsächlich überweist. Es kann auch zu einem Zahlungsverzug oder sogar zu einem Zahlungsausfall kommen. Diese Szenarien belasten Ihre Liquidität und können Ihr eigenes Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Um die Probleme zu vermeiden, können Sie Factoring als Finanzierungsinstrument nutzen.

Wie Unternehmen mit Factoring die Liquidität erhöhen

Durch den Forderungsverkauf werden offene Forderungen innerhalb kurzer Zeit zu Liquidität. Dazu müssen die Kreditoren diese Schritte unternehmen:

1. mit einem Factor Kontakt aufnehmen, der den Forderungsankauf für die entsprechende Branche anbietet

2. einmalig den Factoringvertrag mit allen Konditionen, Fristen, Beträgen und Debitoren aushandeln

3. Produkte oder Dienstleistungen gegen Rechnung mit Zahlungsziel verkaufen

4. die Rechnungen online beim Factor einreichen

5. nach einer Prüffrist von 24 – 48 Stunden 80 % – 90 % der Rechnungssumme per Überweisung auf das ​Geschäftskonto​ erhalten

6. bei Erreichen des Zahlungsziels den Restbetrag erhalten

Wie funktioniert Factoring?

Rechtlich gesehen handelt es sich um eine gewerbliche, wiederholte Forderungsübertragung. Die offenen Forderungen eines Unternehmens, auch Kreditor genannt, gegen seine Kunden, auch als Debitoren bezeichnet, werden vor Fälligkeit an eine Bank oder an einen Factoringanbieter abgetreten. Der Factor finanziert die Forderung vor und überweist den größten Teil der Forderungssumme an den Kreditor. Für seine Dienstleistung erhält der Anbieter eine Gebühr und berechnet Zinsen für die Vorfinanzierung. Ein weiterer Kostenfaktor ist die Prüfgebühr für die regelmäßige Bonitätsprüfung der Debitoren. Dafür ist der Kreditor über die finanzielle Situation seiner Käufer informiert und kann sich von finanzschwachen oder zahlungsunwilligen Kunden trennen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich ​Unternehmen​ jeder Größe für den Verkauf offener Forderungen entscheiden. Je nach Branche oder Alter der Firma stellt Factoring häufig eine der wenigen möglichen Finanzierungsformen dar.

Warum entscheiden sich Unternehmen für Factoring?

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Firmen offene Forderungen verkaufen:

● es gibt viele offene Rechnungen mit Zahlungsziel und das Unternehmen benötigt Liquidität

● Start-ups erhalten keinen Bankkredit

● schlechte Zahlungsmoral der Käufer

● das Unternehmen möchte sein Rating durch Bilanzverkürzung verbessern

● ein Betrieb ist insolvent, kann durch den Forderungsverkauf aber neue Liquidität generieren

Je nach Anforderung bieten die Factoringunternehmen verschiedene Arten von Factoring an. Die Factoringarten unterscheiden sich im Umfang der enthaltenen Dienstleistungen und in der Sicherheit für die Kreditoren.

Verschiedene Arten von Factoring

In der Praxis finden hauptsächlich diese Factoringarten Anwendung:

● echt und unecht

● still und offen

● Full Service und Inhouse

Echtes Factoring​ bedeutet, dass der Factor das Risiko eines Zahlungsausfalls zu 100 % trägt. Bei der unechten Variante bleibt das Ausfallrisiko beim Kreditor. Der offene Forderungsankauf wird den Debitoren angezeigt. Die Käufer erhalten in der Regel die Kontonummer des Factors, um den Rechnungsbetrag bei Fälligkeit direkt dorthin zu überweisen. Bei der stillen Factoringart zahlt der Kunde wie gewohnt an den Verkäufer. Der Verkäufer tritt die Forderung an den Factor ab und überweist den Betrag nach Erhalt an das Factoringunternehmen. Beim Full Service übernimmt der Factoringanbieter die komplette Debitorenbuchhaltung einschließlich Überwachung der Zahlungseingänge, Mahnschreiben und Einleitung von Inkassomaßnahmen. Beim Inhouse-Factoring muss der Kreditor diese Arbeit selbst ausführen. Dafür fallen die Factoringkosten etwas geringer aus.

Factoringvorteile im Überblick

Hier eine Übersicht der Vorteile eines Forderungsverkaufs:

● Umwandlung offener Forderungen in schnelle Liquidität

● ständiger Zahlungsfluss, der mit höherem Umsatz weiter steigt

● einfache Abwicklung

● besseres Rating und Bilanzverkürzung

● auch für Unternehmen in Insolvenz und Existenzgründer geeignet

Darauf sollten Sie bei der Auswahl des Factoringanbieters achten

Sowohl ​Banken​ als auch Finanzdienstleister und spezielle Factoringunternehmen bieten den Forderungsankauf an. Für einige Branchen, wie Baugewerbe oder Transportunternehmen, hat nicht jeder Dienstleister Factoring im Angebot. Auch finanzschwache Firmen, Start-ups oder Betriebe in Insolvenz müssen sich genau erkundigen, welche Dienstleister den Forderungsankauf unter diesen Bedingungen anbieten. Doch auch hier finden sich immer mehr Anbieter, die das passende Finanzierungsangebot im Programm haben.

Ein Vergleich der Factoringkosten kann in der Regel erst erfolgen, wenn die Anbieter ihre Konditionen offenlegen. Dazu kann bei den meisten Factoringunternehmen eine unverbindliche Anfrage gestellt werden. Ein guter Factor geht dabei auf die Anforderungen und die aktuelle Situation des Kreditors ein und macht ein individuelles Angebot. Um einen schnellen Zahlungsfluss zu gewährleisten, sollte der Kreditor einen Online-Zugang erhalten, über den er die Rechnungen an den Factor weiterleiten kann. Die Abrechnung sollte schnell erfolgen und transparent und gut verständlich sein. Bei Fragen sollte ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

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