Foto Matthias Völcker
Matthias Völcker, CEO und Mitbegründer von crossvertise

Interview mit Münchner Gründer Matthias Völcker

Veröffentlicht: 14.12.2016

Bei der Finanzierung von Start-ups tun sich junge Gründer hierzulande oftmals schwer. Aus eigener Erfahrung spricht Matthias Völcker, der 2011 das Start-up crossvertise gegründet hat. Über den online-Marktplatz crossvertise können kleine und mittelgroße Unternehmen ihre Werbung selbständig in alle Arten von Online- und Offline-Medien einbuchen. Crossvertise liefert dabei die erforderlichen Marktdaten und übernimmt die komplette Abwicklung der Werbebuchung bis hin zur Abrechnung. Für Werbetreibende ist dieses Angebot völlig kostenfrei. Das Unternehmen verbucht dieses Jahr voraussichtlich erstmals über 10 Millionen Euro Umsatz und wächst weiter stark, doch die Finanzierung war in der Vergangenheit nicht immer leicht. Seiner Meinung nach gibt es insbesondere bei der Finanzierung eines Start-ups eine Reihe wichtiger Punkte zu beachten.

Herr Völcker, Sie haben selbst das Start-up-Unternehmen crossvertise gegründet. Was muss man Ihrer Erfahrung nach bei Finanzierungsrunden beachten?

Viele Startups tendieren dazu, viel Geld aufzunehmen, was aber nicht immer optimal sein muss. Denn je mehr Fremdfinanzierung man zulässt, desto mehr Anteile am Unternehmen gibt man ab. Es kann aber auch falsch sein zu wenig Geld aufzunehmen, denn jede weitere Finanzierungsrunde kostet Zeit, Nerven und auch Geld. Insbesondere Reise- und Rechtsberatungskosten dürfen nicht unterschätzt werden.

Was würden sie heute nicht mehr so machen?

Wir haben immer relativ wenig Geld aufgenommen, um nicht zu viele Anteile abgeben zu müssen, aber deshalb auch jedes Jahr eine neue Finanzierungsrunde gestartet. Dies ist nicht unbedingt immer zu empfehlen, da dabei auch jedes Mal Aufwand und Kosten entstehen. Außerdem holt man auf diese Weise immer mehr Investoren mit an Bord, die natürlich alle mitreden möchten. Je mehr Parteien am Tisch sitzen, desto komplizierter wird es dann auch. Deswegen werden wir jetzt nochmal einen großen Betrag aufnehmen, damit wir danach erstmal kein weiteres Geld mehr benötigen.

crossvertise-Geschäftsführung
Crossvertise-Geschäftsführung (v.l.n.r.): Thomas Masek, Maximilian Balbach, Matthias Völcker (Foto: crossvertise)
Was ist ihr Tipp für andere Gründer?

Nehmt das Geld, das ihr kriegen könnt, achtet aber darauf, dass ihr noch genug Anteile habt. Eine weitere Gefahr, die entsteht wenn man zu wenig Geld aufnimmt ist, am Ende keinen Puffer zu haben. Denn normalerweise wird das Geld in Meilensteinen ausgezahlt, d.h. es gibt die nächste Tranche erst, wenn man ein bestimmtes Ziel erreicht hat. Das kann aber manchmal durchaus länger dauern, als man geplant hat.

Worauf sollten Gründer in der ersten Zeit besonders achten?

Es ist sehr wichtig, ausgewiesene Experten und erfahrene Gründer an seiner Seite zu haben. An den Anwaltskosten beispielsweise zu sparen ist nicht der richtige Weg, denn bei den Investorenverhandlungen gilt es oftmals, komplexe Vertragsdokumente richtig zu verstehen und den Inhalt im eigenen Sinne zu beeinflussen. Außerdem ist auch Kommunikation sehr wichtig: Redet über eure Ideen, niemandem davon zu erzählen ist der falsche Weg. Im aktiven Austausch kann man viel über mögliche Probleme erfahren und auch die eigene Betriebsblindheit überwinden.

Ist es heute leichter als vor fünf Jahren, ein Startup zu finanzieren?

Grundsätzlich denke ich, dass es leichter geworden ist, weil die Wirtschaft das enorme Potenzial von Innovationen mehr zu schätzen gelernt hat. Aber auch mit einer guten Idee ist es hierzulande immer noch nicht leicht, an Geld zu kommen. Deutsche Investoren setzen lieber auf Projekte, die schon eine gewisse Markttauglichkeit bewiesen haben oder vergleichbar mit einer bereits bestehenden Anwendung sind. Völlig neuen Konzepten stehen sie meist ablehnend gegenüber. In den USA ist das ganz anders, dort werden in der Regel auch deutlich höhere Summen in innovative Ideen investiert, so dass die Gründer von Anfang an voll durchstarten können. Man muss auch wissen, dass Investoren oft zyklisch und in bestimmten Phasen investieren. Wenn man als Start-up nicht einen vorherrschenden Hype trifft, kann es schwer werden, an Geld zu kommen. Dennoch darf man sich auf keinen Fall entmutigen lassen – zunächst muss man an die eigene Idee glauben und zu 150 Prozent hinter ihr stehen, dann ergeben sich in den meisten Fällen auch Chancen und Möglichkeiten.


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