Zunehmend geringeres Innovations- und Forschungspotenzial in KMU (Foto: Triumph Adler / Fotalia)
Der Schlüssel zu einem Plus an Arbeitsplätzen und guter Arbeit durch die Industrie 4.0 liegt in der Qualifizierung und Weiterbildung der Menschen. (Foto: Triumph Adler / Fotalia)

Expertenkommission: Mittelstand investiert zunehmend weniger in Innovation und Forschung

Veröffentlicht: 23.02.2016

In ihrem neuen Jahresgutachten, das am 17. Februar der Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben wurde, beschäftigt sich die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) mit den Innovationsleistungen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Diese werden aufgrund ihrer großen Bedeutung für Beschäftigung und Innovation gemeinhin als eine der besonderen Stärken der deutschen Wirtschaft bezeichnet. „Dies gilt insbesondere für die Teilgruppe der sogenannten ‚Hidden Champions‘, also eher unbekannte, aber innovative und besonders erfolgreiche Unternehmen“, präzisiert Prof. Monika Schnitzer von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied der Expertenkommission. In der Studie konnten die Experten beobachten, dass die Bereitschaft der KMU, in Innovationstätigkeiten sowie in Forschungsprojekte zu investieren, seit Jahren abgenommen hat. Auch ein Vergleich mit dem Ausland zeigt, dass inzwischen großer Handlungsbedarf besteht: „Die Innovationsausgaben der KMU in Deutschland sind geringer als in den Vergleichsländern“, erklärt Prof. Uwe Cantner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ebenfalls Mitglied der Expertenkommission. Zwar liegen deutsche KMU im internationalen Vergleich bei der Häufigkeit der Produkt- oder Prozessinnovationen weit vorne, allerdings erreichten sie bezüglich der Patentintensität und des Umsatzanteils mit neuen Produkten im europäischen Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld.

So kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass Deutschland weder in der klassischen IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnik) noch in den neuen, internetbasierten Bereichen der digitalen Wirtschaft wie Cloud-Computing oder Big Data besondere Stärken aufbauen konnte – und das obwohl die wirtschaftliche Bedeutung datengetriebener Dienste und Geschäftsmodelle erheblich zugenommen hat. Auch beim E-Government, also der Abwicklung von Regierungs- und Verwaltungsprozessen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien, zeichnet sich Deutschland durch ein begrenztes, wenig nutzerfreundliches E-Government-Angebot aus und liegt im internationalen Vergleich deutlich zurück.

Fehlende Finanzierungsförderung und Fachkräftemangel als Innovationshemmnis

Eine Ursache für das nicht vorhandene Innovationspotenzial von KMU sehen die Experten vor allem im Mangel an internen Finanzierungsquellen und den zunehmenden Mangel an Fachkräften. „In Deutschland werden nur 14 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) von KMU aus staatlichen Quellen finanziert. In den meisten Vergleichsländern, die neben der direkten Förderung auch über eine steuerliche FuE-Förderung verfügen, ist dieser Anteil mehr als doppelt so hoch“, betont Prof. Schnitzer. Bei dieser Förderung wird den Unternehmen eine Steuergutschrift proportional zur Höhe ihrer FuE-Ausgaben gewährt. Da in Deutschland von diesem Förderungsinstrument noch kein Gebrauch gemacht wird, setzt sich die Expertenkommission schon seit einiger Zeit nachdrücklich für die Einführung solch einer Förderung in Deutschland ein. Um die Finanzierungssituation von KMU zu verbessern, empfiehlt die Expertenkommission der Bundesregierung zügig zu handeln. Zunächst gilt es die bisher verwendeten Förderinstrumente um die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung unter besonderer Beachtung der KMU-Belange zu ergänzen. „Sollten dabei Budgetrestriktionen im Bundeshaushalt nur eine begrenzte steuerliche Förderung ermöglichen, kann diese zunächst vornehmlich für KMU oder mit einer Begrenzung der Fördersumme eingesetzt werden“, schlägt Prof. Schnitzer vor. Außerdem muss die Regierung die Rahmenbedingungen für Wagniskapital – also die als Eigenkapital zur Verfügung gestellten Mittel für Existenzgründer und junge Unternehmen – und damit die Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen verbessern. „Hierzu müssen endlich die im Koalitionsvertrag 2013 angekündigten gesetzlichen Grundlagen geschafft werden“, fordert die Expertenkommission. Dabei sollte das Hauptaugenmerk der Politik darauf liegen, die private Finanzierung von Unternehmensgründungen zu erleichtern.

Aber auch der Fachkräftemangel droht angesichts der demografischen Entwicklung und der Wissensintensivierung der Wirtschaft zu einem Innovationshemmnis zu werden. Es gilt daher, das Angebot an Fachkräften insgesamt zu erhöhen. „Politik, Kammern und Verbände sollten ihre Unterstützungsmaßnahmen für KMU, welche ausländische Fachkräfte rekrutieren, intensivieren und eine entsprechende Informationskampagne für KMU in Deutschland starten“, betont Prof. Schnitzer.

Das vollständige Gutachten finden sie hier.

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