Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Junge Eltern wünschen sich mehr Familienfreundlichkeit in Betrieben, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. (Foto: Pixabay)

Beruf und Familie: Ein Dauerkonflikt?

Veröffentlicht: 19.04.2017

„Mehr Familie – In die Zukunft, fertig los“ – unter diesem Motto werden im Mai bundesweit Aktionen der Lokalen Bündnisse für Familie stattfinden, die sich für familienfreundlichere Lebens- und Arbeitsbedingungen einsetzen. Anlass ist der jährliche Internationale Tag der Familie der Vereinten Nationen am 15. Mai, in dessen Mittelpunkt dieses Jahr die Wünsche und Erwartungen von Eltern mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen. Angesichts aktueller Studien, die Deutschland diesbezüglich schlechte Rahmenbedingungen attestieren, scheint es tatsächlich noch viel Grund zum Träumen und Wünschen zu geben.

Große Verantwortung von Staat und Wirtschaft
Vom Krippenausbau und dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, bis hin zum Elterngeld und Elterngeld Plus – von staatlicher Seite fehlt es nicht an Initiativen, die junge Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen sollen. Dass berufstätige Mütter und Väter es dabei in Deutschland trotzdem schwer haben, führt eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) auf die Unternehmen zurück.

Basierend auf einer quantitativen Umfrage unter 1.700 zusammenlebenden Müttern und Vätern kleiner Kinder sowie einer qualitativen Befragung von 51 Elternpaaren kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass gute Vereinbarkeitsbedingungen von den angebotenen Arbeitszeitmodellen im Betrieb, deren Nutzungsmöglichkeiten sowie den beruflichen Entwicklungsperspektiven beider Eltern abhängen. Dementsprechend nannten die Befragten fehlende Angebote von flexiblen Arbeitszeitmodellen und die Sorge vor beruflichen Nachteilen als größte betriebliche Hindernisse.

Väter wollen mehr Zeit für Familie
Während in Unternehmen häufig noch das traditionelle Familienmodell – Mutter zu Hause, Vater im Büro – unterstützt wird, wünschen sich viele Paare eine gleichberechtigtere Aufteilung der Arbeits- und Elternzeit. Dieser Wunsch ist unter Vätern (42 Prozent) etwas größer als unter Müttern (35 Prozent), was den Wertewandel der vergangenen Jahrzehnte verdeutlicht: Männer wollen heutzutage mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und sich in Kindererziehung und Hausarbeit stärker einbringen. Im Durchschnitt nannten Väter eine Wochenarbeitszeit von 35 Stunden als ideal, wobei sie ihre Arbeitszeit im Falle eines Rückkehrrechts auf Vollzeit noch mehr reduzieren würden.

Rechtsansprüche und ökonomische Anreize, wie beispielsweise die Partnermonate, spielen für Väter generell eine große Rolle, denn 52 Prozent würden gerne mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen. Erfreulich ist, dass Sorgen über finanzielle oder berufliche Nachteile rückblickend meist unbegründet sind. Fast 90 Prozent der Väter, die Elternzeit genommen haben, sagen, dass dies keine Nachteile für sie hatte.

Familienfreundlichkeit zahlt sich aus
Die Ergebnisse der WZB zeigen auch, dass sich familienfreundliche Maßnahmen für Unternehmen lohnen: Sie steigern die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten, erhöhen ihre Loyalität zum Arbeitgeber und halten sie somit langfristig im Unternehmen. Eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist übrigens größen- und branchenunabhängig, denn innovative Lösungen sind in jedem Betrieb von großer Bedeutung. So können auch Berufe mit hohen Flexibilitätsanforderungen durch ausgeklügelte Vertretungsregelungen elterngerecht gestaltet werden.

Ohne Putzhilfe, Babysitter und Co. geht es oft nicht
Interessante Einblicke, wie Eltern versuchen Beruf, Kindererziehung und Haushalt unter einen Hut zu bringen, gibt eine nicht repräsentative Umfrage von DIE ZEIT und ZEIT ONLINE unter mehr als 3.000 Lesern. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass kaum eine Familie ohne die Unterstützung von Dienstleistern auskommt: Abgesehen von der Kinderbetreuung in der Kita oder bei der Tagesmutter beschäftigen viele berufstätige Eltern Putzkräfte (46 Prozent), erledigen Einkäufe online (38 Prozent), lassen sich Essen zubereiten oder liefern (27 Prozent), oder nehmen Babysitter in Anspruch (25 Prozent). Lediglich zehn Prozent der Befragten gaben an, keine dieser Dienstleistungen zu nutzen.

Die Bedeutung externer Dienstleister ist laut ZEIT auch deshalb so hoch, weil viele Familien nicht mit regelmäßiger Unterstützung durch Großeltern oder andere Familienmitglieder rechnen können. Dies betrifft sowohl Städter (56 Prozent) als auch Landbewohner (49 Prozent). Nichtsdestotrotz erledigen Eltern den Großteil der Haus- und Betreuungsarbeit in der Regel selbst, wobei Mütter nach wie vor die Hauptlast tragen – sie sind meist acht bis 14 Stunden pro Woche im Haushalt tätig, wohingegen sich Männer durchschnittlich nur maximal sieben Stunden mit der Hausarbeit beschäftigen. Diese Verhältnisse herrschen auch in Haushalten, in denen beide Partner gleich viel arbeiten. Der Großteil der Eltern (60 Prozent) würde sich übrigens lieber selbst um Kinder und Haushalt kümmern, anstatt mehr Geld zu bekommen und damit Dienstleister zu beauftragen.

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