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Familienunternehmen für Ungleichheit verantwortlich?

Familienunternehmen Vermögen Foto Euro

In Deutschland ist das Vermögen relativ ungleich verteilt - sind Familienunternehmen daran schuld? (Bild: pixabay)

Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) bezeichnen Deutschland in einem aktuellen Bericht als „eines der Länder mit der höchsten Vermögens- und Einkommensungleichheit der Welt“. Diese Aussage muss differenziert betrachtet werden: Seit Jahren ist die Einkommensungleichheit in Deutschland deutlich geringer als die Vermögensungleichheit. Die Vermögensungleichheit ist tatsächlich auf einem hohen Niveau, allerdings steckt ein Großteil des Vermögens in Immobilien oder Unternehmensanteilen – und ist damit nicht unmittelbar verfügbar. Laut dem IWF-Report halten in Deutschland die zehn Prozent der reichsten Haushalte 95 Prozent aller Unternehmensanteile.

Verantwortlich für die ungleiche Verteilung des Vermögens macht der IWF die großen Familienunternehmen in Deutschland. Durch den anhaltenden Exporterfolg der letzten Jahrzehnte und vor allem in China seit dem Jahr 2000 hätten sich die Gewinne der Unternehmen erheblich erhöht. Seit 2009 sei laut IWF ein Großteil des Wohlstandszugewinns in Deutschland in Form einbehaltener Gewinne von Familienunternehmen angefallen und komme damit nur einer kleinen Gruppe zugute. Die Unternehmenssteuerreformen hätten die Entwicklung in Deutschland weiter begünstigt, so die Ökonomen.

Mittelstand kritisiert IWF Report

Mittelständische Unternehmer haben den Bericht des IWF heftig kritisiert und verwiesen auf die Leistungen der Familienunternehmen gegenüber der Gesellschaft: „Die Kritik des IWF am deutschen Mittelstand verkennt völlig die Bedeutung der Familienunternehmen für Deutschland. Die Millionen Mittelständler sichern Arbeitsplätze – auch und gerade in Krisenzeiten – und damit die soziale und politische Stabilität unseres Landes. Im Unterschied zu Konzernen reinvestieren die Mittelständler Gewinne in das eigene Unternehmen, um so möglichst unabhängig von Bankkrediten zu bleiben. Dies machte unseren Mittelstand in der letzten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zu einem Hort der Stabilität in Europa“, erklärte Mittelstandspräsident Mario Ohoven, der dem Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) vorsteht.

Studie beweist: Mittelstand investiert in Arbeitsplätze

Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen unterstreicht die Bedeutung des Mittelstands für den deutschen Arbeitsmarkt. Demnach haben die größten 500 Familienunternehmen zwischen 2007 und 2016 die Beschäftigung in Deutschland um 23 Prozent auf 2,54 Millionen ausgebaut. Dagegen konnten die 27 Dax-Konzerne, die keine Familienunternehmen sind, die Beschäftigung nur um vier Prozent auf 1,55 Millionen steigern.

„Im Unterschied zu börsennotierten Konzernen halten die mittelständischen Unternehmen auch in Krisenzeiten ihre Mitarbeiter. Gerade angesichts des drohenden konjunkturellen Abschwungs braucht Deutschland mehr denn je seinen starken Mittelstand“, betonte der BVMW-Präsident.

IWF fordert höhere Erbschaftssteuer

Der IWF fordert in seinem Bericht zur Bekämpfung der hohen Ungleichheit höhere Steuern auf Vermögen in Deutschland. Vor allem die Erbschafts- und Schenkungsteuer sollte ansteigen. Die Ökonomen kritisieren, dass etwa die Grundsteuer und die Erbschaftsteuer in Deutschland nur einem Prozent der Wirtschaftsleistung entsprächen – das sei im internationalen Vergleich ein geringer Wert. Doch dafür zählt die sonstige Steuer- und Abgabenlast für mittelständische Unternehmen in Deutschland zu den weltweit höchsten. Daher verwundert es kaum, dass der IWF-Report mit seinen Forderungen auf eine breite Ablehnung der deutschen Unternehmer stößt.

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