Foto Achim von Michel, Herausgeber, mittelstandinbayern.de, Umwelt

Der Wunsch nach grüneren Zeiten  

Das Ergebnis der Europawahl zeigt, wie sehr der Umweltschutz die deutschen Wähler derzeit beschäftigt. Die Grünen konnten ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Europawahl verdoppeln – mit 20,5 Prozent sind sie nun die zweitstärkste Kraft nach der Union, die im Gegenzug fünf Prozent verlor. Wer dafür nur den Youtuber Rezo und seinen Aufruf zur „Zerstörung der CDU“ oder die Bewegung „Fridays For Future“ verantwortlich machtführt sich nicht das ganze Ausmaß vor Augen. Geradezu panisch häuften sich zuletzt dramatische Meldungen zum Kohleausstieg, E-Autos und Plastikmüll in den Medien. Dass die Menschen einen Einfluss auf die Erderwärmung und die Verschmutzung der Umwelt haben, lässt sich zwar nicht leugnen – doch wie können wir etwas daran ändern?

Ich finde: Ähnlich wie die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) dies bereits tun, muss sich vor allem jeder an der eigenen Nase fassen. Bei den KMU fand nämlich in den letzten Jahren gezwungenermaßen ein Umdenken statt. Um von den Kosten der Energiewende nicht erdrückt zu werden, entschlossen sich die Unternehmen, ihr eigenes Verhalten zu ändern sowie energiesparende Maßnahmen umzusetzen. Wir alle hinterlassen unseren Fußabdruck auf der Welt und tragen dafür die Verantwortung. Darauf zu pochen, die Politik könne das allein bewältigen, ist eine Wunschvorstellung. Der Fokus sollte auf mehr progressive Ideen gelegt werden, denn auf polarisierende Aussagen.  

Was sind die Fakten? 

Könnten wir diese Frage so leicht beantworten, wären wir vermutlich nicht in dieser aktuellen Lage. Ein nüchternes und abwägendes Betrachten der aktuellen Situation ist dringend erforderlich. Beim Thema Energiewende gibt es so zum Beispiel durchaus auch negative Aspekte, die manchmal gerne übersehen werden. Denn das sofortige Umstellen von atomarer und fossiler Energie zu erneuerbaren Quellen ist gar nicht so einfach möglich, wie uns Viele glauben machen möchten So soll beispielsweise der Kohleausstieg eigentlich dabei helfen den CO2-Austoß zu verringern. Jetzt werden hingegen Stimmen laut, die das Gegenteil behaupten und sogar erhöhte Emissionen befürchten„Es besteht (…) das Risiko, dass ein Kohleausstieg allein durch Abschaltungen von Kraftwerken das Gegenteil von dem bewirkt, was er bewirken soll“, so Michael Pahle vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Rahmen einer Analyse zum Kopernikus-Projekts „ENaviDies hat zwei Gründe, wie das PIK erklärt. Zum einen sinkt das Stromangebot durch das Abschalten der ersten Kohlekraftwerke, wodurch die verbliebenen Anlagen ihre Produktion erhöhen werden. Andererseits sinkt die Nachfrage nach Emissions-Berechtigungs-Zertifikaten im Europäischen Emissionshandel, sodass der Preis sinkt. Dann aber können Kraftwerke im Ausland mehr Zertifikate kaufen und wiederum ihren CO2-Ausstoß erhöhenEs ist also nicht immer alles so schwarz und weiß (oder grün), wie es anfangs scheint, insbesondere wenn man eine europaweite oder gar weltweite Betrachtung wählt.   

Intelligente Mobilität – ein Schritt in die richtige Richtung 

Hohe Aufmerksamkeit gilt auch den Themen Diesel und Mobilität. Nach dem Dieselskandal, der die Riesen der deutschen Automobilindustrie betraf, folgten die Diesel-Fahrverbote und deren vereinzelte Umsetzung in den Großstädten Deutschlands. Denn Autoabgase tragen ihren Teil zu den CO2-Emissionen bei: Für mehr als 18 Prozent der Treibhausgasemissionen war der Verkehrssektor 2016 verantwortlich, so das Umweltbundesamt. 

Das Elektroauto scheint die perfekte Alternative zu sein. Doch abgesehen von den fehlenden Ladesäulen und den höheren Preisen von E-Autos dämpfen die Probleme bei der Herstellung der notwendigen Akkus ebenfalls die hohen Erwartungen an den vermeintlichen Retter der Autoindustrie. Denn die Förderung der notwendigen Metalle zerstört die Umwelt und bei der Produktion der Batteriespeicher werden Unmengen an CO2 ausgestoßen. Ebenfalls erwähnenswert ist die Amortisation von E-Autos. Erst nach einigen 100.000 Kilometern zahlt sich der Kauf des Autos für die Umwelt aus. Fakt ist: Je kleiner der Akku, desto umweltfreundlicher ist das Auto, aber desto geringer ist damit auch die Reichweite. Da der Durchschnittsdeutsche am Tag nur knappe 40 Kilometer fährt, sollte also zumindest in städtischen Regionen über Alternativen zu den gegenwärtigen e-Boliden nachgedacht werden. Hier können beispielsweise die Modelle von eGo überzeugen, deren Konzept bereits in den StreetScootern der Deutschen Post erfolgreich zum Einsatz kommt.  

Spannend finde ich auch die litauische App „Trafi“, die von Martynas Gudonavicius gemeinsam mit einem Freund entwickelt wurde. Alle Angebote öffentlicher Verkehrsmittel, des Carsharings und von Fahrdienst-Anbietern werden komplett in dieser App vereint. So hat man bequem die Möglichkeit, eine individuelle Route festzulegen und praktisch jedes innerstädtische Ziel durch eine Kombination von Verkehrsmitteln zu erreichen. Ziel ist es, die Handy-Anwendung weltweit auf den Markt zu bringen und so die Mobilität in Großstädten intelligent weiterzuentwickeln.  

Damit die Industrie unter der Energiewende nicht zusammenbricht, müssen also sinnvolle Lösungen gefunden werden, die nicht von kurzfristigen Meinungsströmungen beeinflusst werden. Nur so ist es möglich, unsere Erde zu schützen – auch vor uns selbst. Niemand bestreitet den Einfluss der Menschheit auf die Erderwärmung. Doch unsere Köpfe müssen von Zeit zu Zeit genauso abkühlen, wie es unser Planet auch bald tun muss.  

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