Foto Achim von Michel 2016
Achim von Michel, Herausgeber mittelstandinbayern.de

Mit Bildung zu wirtschaftlichem Erfolg

Veröffentlicht: 02.03.2017

Liebe Leserinnen und Leser,

vergangenen Monat hatte ich die Gelegenheit, beim 5. Wirtschaftsforum der Landtagsfraktion der Freien Wähler mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie den Arbeitnehmern von heute und von morgen über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für die Wirtschaft zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Fragen, welche Qualifikationen in der Wirtschaft künftig unverzichtbar sein werden und welchen Beitrag die Bildungspolitik leisten sollte, um Arbeitnehmer bestmöglich darauf vorzubereiten.

Der Einladung von Prof. Dr. Michael Piazolo (FW), dem Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses des Landtags, folgten etwa 60 interessierte Bürger, die durch ihre persönlichen Erfahrungen und Wünsche interessante Anregungen in das Gespräch einbrachten.

Praxisorientierung in der Bildung vernachlässigt

Zu Beginn der Veranstaltung trugen Prof. Dr. Piazolo, Gerhard Wächter von der manamak GmbH und ich in kurzen Impulsreferaten vor, welche grundlegenden Herausforderungen wir aus der Perspektive der Politik, der Wirtschaft und des Verbandes BVMW sehen. Dabei erinnerte Prof. Dr. Piazolo an die Auswirkungen der Bologna-Reform, welche das Studium verschult jedoch nicht praxisorientierter gestaltet habe. Angesichts steigender Studierendenzahlen und dem damit einhergehenden Rückgang von Auszubildenden, warnte Piazolo vor mangelndem Praxisbezug in der Ausbildung.

Ich selbst plädierte vor diesem Hintergrund für die duale Ausbildung, die sowohl für Studierende als auch Unternehmen große Vorteile mit sich bringt. Gerhard Wächter thematisierte insbesondere die Herausforderungen der digitalen Transformation. Er machte deutlich, dass die Digitalisierung der Wirtschaft unausweichlich sei und viele Chancen biete. Trotzdem seien viele Unternehmen – vom Chef bis zum einzelnen Mitarbeiter – mit diesen Entwicklungen noch immer überfordert.

Frühzeitige Förderungen notwendig

Die richtige Vorbereitung auf das Arbeitsleben sollte nicht erst in der Berufsausbildung oder im Studium beginnen. Während die gezielte Heranführung junger Schüler an digitale Medien und ihre Begeisterung für Naturwissenschaften zentrale Bestandteile des Lehrplans sein sollten, darf meiner Ansicht nach etwas noch viel Grundlegenderes nicht in Vergessenheit geraten: eine umfassende Lese- und Schreibförderung. Noch immer leben in Deutschland rund 7,5 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können und so dürfen wir trotz der notwendigen Fokussierung auf naturwissenschaftliche und digitale Lehre nicht an der essentiellsten Bildung sparen. Der BVMW unterstützt deshalb bereits im dritten Jahr bundesweit die renommierte Stiftung Lesen.

Dass die Schule wichtige Grundsteine für das spätere Arbeitsleben legt und deshalb noch stärker in den Fokus von Politik und Wirtschaft rücken sollte, darüber waren sich Redner und Gäste weitestgehend einig. Während kurzzeitige Schülerpraktika bei vielen Firmen als ineffizient gelten, machte sich Gerhard Wächter für Aktionen an Schulen durch den Chef höchstpersönlich und andere Führungskräfte stark. Denn die Begeisterung und Rekrutierung von Nachwuchs ist nicht nur Aufgabe der Personalabteilung, sondern vor allem Chefsache.

Hohe Erwartungen an die Kanzlerkandidaten

Das Wirtschaftsforum der Freien Wähler hat mir einmal mehr gezeigt, dass die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft vielfältig sind und es viele Baustellen gibt, an denen Politik und Wirtschaft arbeiten müssen. Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen bleibt abzuwarten, mit welchen bildungspolitischen Forderungen die Parteien in den Wahlkampf ziehen. Während Angela Merkel im Laufe ihrer Amtszeit immer wieder die Digitalisierung der Lehre anmahnte, hat sich der Hoffnungsträger der Sozialdemokraten, Martin Schulz, bisher vor allem für kostenlose Bildung stark gemacht. Da Bildung jedoch Ländersache ist, müssen die Kandidaten nun überzeugende Vorschläge machen, wie der Bund in der Bildung trotz allem tätig werden kann. Wir dürfen gespannt sein.

Ihr

Achim von Michel,

Herausgeber von mittelstandinbayern.de


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