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Mittelstand in Bayern

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Importwirtschaft Bayerns durch Explosion der Frachtkosten gefährdet

Der globale Handel blüht wieder auf, aber auch die Kosten für Containertransporte explodieren. Der Grund für vervierfachte Preise sind begrenzte Fassungsvermögen auf den Schiffen. Seit ein paar Wochen ist das in Läden in Bayern sichtbar und selbst bei Onlinebestellungen festzustellen.

Wer zurzeit einen Container über See von China nach Deutschland transportieren will, wird sehr verwundert sein. So ergeht es gerade vielen klein- und mittelständischen Unternehmen, die ihre Waren importieren. Vor geraumer Zeit lag der Preis bei etwa 1.500 Dollar, jetzt möchte das ausgewählte Transportunternehmen satte 5.000 Dollar für die Verschiffung des Containers.

Objektiv gesehen gibt es derzeit nur wenige Optionen für mittelständische Unternehmen. Die Begründung dieser Situation ist, dass seit Ende November die Frachtraten auf den Ozeanen ständig steigen. Es gibt kaum freie Container und sogar die Liefertreue wird immer mehr zum Fremdwort im Schiffsverkehr. Derzeit steht die gesamte deutsche Importindustrie vor großen Herausforderungen.

Anfang Dezember führte dies dazu, dass, laut Erfassungen des Frachtbrokers Freightos, der 40-Fuß-Standardcontainer aus Asien nach Europa im Mittel 2.652 Dollar kostete. Das ist ein ständiger Anstieg der Frachtpreise im Seeverkehr seit Ende Mai 2020. Angaben des Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) zur Folge lag der Preis auch für einen 20-Fuß-Standardcontainer, der von China nach Nordeuropa verfrachtet wurde, bei 4.414 US-Dollar. Ein Jahr zuvor betrug der Transportpreis lediglich 25 % des jetzigen. Damit noch nicht genug. Auf dem Spotmarkt verzeichnete das britische Beratungsunternehmen Drewry letzte Woche einen Kurs von 8.900 Dollar für einen 40-Fuß-Doppelcontainer. Drewry mahnte bereits, dass die Preise womöglich ins Fünfstellige wachsen.

“Die Preise werden von Kunden getrieben, die um eine knappe Ressource kämpfen: Container.” sagt Lars Jensen von der Beratungsfirma Seaintelligence, der auch von einem Flaschenhalsproblem spricht. Im zweiten Halbjahr 2020 florierte der Handel zwischen Europa und Asien geradezu. Gleichzeitig sind aufgrund des Kollaps im Welthandel zu Beginn der Coronakrise noch viele leere Container in Häfen stehen geblieben, in denen sie nicht mehr benötigt werden.

Außerdem scheint es Häfen zurzeit unmöglich die nachgefragte Menge zu bewältigen, informiert John Butler, Präsident des World Shipping Council: “Von einem gewaltigen Absturz kommend, wurden wir von historisch hohen Warenmengen gepeitscht, und jetzt gibt es mehr, als die Terminals effektiv abwickeln können.”

Eine länger andauernde Verknappung scheint wahrscheinlich, so sehen es fachkundige Seefrachtspediteure und sprechen von einer Preislawine. „Wer heute einen Container ab Shanghai nach Hamburg buchen möchte, muss unter Umständen bis zum Februar darauf warten, dass er tatsächlich einen bekommt”, so wertete Walter Stork, Gründer der Spedition Navis in Hamburg, im Dezember.

Basierend auf diesen Informationen haben derzeit alle europäischen Containerreedereien eine ähnliche Preispolitik. Aufgrund des durch die Coronapandemie verursachten Einbruchs der Weltwirtschaft, reduzierten Maersk, MSC und Hapag-Lloyd im Frühjahr 2020 zunächst die Produktionskapazität. Es wird erwartet, dass sich die Situation erst Ende Februar oder März 2021 ändert und dann wieder genügend Transportkapazitäten auf den Frachtschiffen vorhanden sind.

Nach wie vor Lieferengpässe wahrscheinlich

Eine Hamburger Reederei erklärte, dass europäische Kunden aufgrund des geringen Frachtraums mit verspäteten Lieferungen aus Fernost rechnen müssen. Transport Engpässe wirken sich auch auf den Warenversand von Asien in die USA und nach Südamerika aus. Dieses Thema hat viele Handelsunternehmen erreicht.

„Unsere Branche erwartet in den nächsten Wochen spürbare Lieferengpässe, sagt Michael Seibold, Geschäftsführer von Hubtechnik24. Es sei davon auszugehen, dass importierte Produktionsgüter sowie Konsumgüter Bayern teils verzögert erreichen werden. Seit dem Frühjahr 2020 hatten viele Handelsgesellschaften ihre Lagerbestände reduziert, weil sie befürchteten, dass die Corona Pandemie einen schweren wirtschaftlichen Abschwung verursachen wird. Anfang Januar reichten der europäische Speditionsverband Clecat und das European Shippers Council (ESC) entsprechend Rekurs bei der Europäischen Kommission ein und macht das Thema auf diese Weise politisch. Die Verbände reklamieren eine Missachtung vorhandener Verträge seitens der Reedereien sowie die Erzeugung ungerechter Grundlagen zur Entgegennahme von Buchungen. Außerdem rügen die Verbände, dass die einseitig festgelegten Frachtraten viel höher sind als die vertraglich vereinbarten.

Unternehmer aus Bayern, Deutschland und Europa müssen jedoch zunächst geduldig warten, bis die Situation wieder vorteilhafter wird. Leider haben Handelsunternehmen derzeit wenig direkten Einfluss.

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