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Ausgebildete Fachkräfte in 12 Wochen – funktioniert das?

Academy Philipp Leipold Foto

Philipp Leipold, Managing Director der AW Academy in Deutschland

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde, doch es gibt innovative Unternehmen, die sich seiner Bekämpfung verschrieben haben. Beispielsweise das Unternehmen Academy, das mit seinem Programm IT-Spezialisten innerhalb von 12 Wochen ausbildet und auf dem Arbeitsmarkt vermittelt. Damit reagiert das Unternehmen auf den akuten Fachkräftemangel in der IT-Branche und geht einen innovativen Weg, um offene Stellen schnell und professionell zu besetzen. Wir sprachen darüber mit Philipp Leipold, dem Geschäftsführer von Academy Deutschland.

Herr Leipold, was ist das Besondere am Angebot von Academy?

Wir bieten für Unternehmer wie für Kandidaten einen Nutzen: Die Academy-Klassen sind für die Kandidaten kostenfrei. Bewerber müssen außerdem keine fachlichen Vorkenntnisse mitbringen. Dadurch erhalten vor allem Quereinsteiger eine Chance. Für sie sind die Programme unserer Academy eine einzigartige Möglichkeit, ihrer Karriere einen neuen Schwenk zu geben. Durch die sichere Aussicht auf eine unbefristete Anstellung bei einem Kundenunternehmen nach erfolgreicher Absolvierung der Academy ist unser Angebot komplett risikofrei.

Für Unternehmen bietet sich der entscheidende Vorteil, dass sie durch uns dringend benötigte Fachkräfte bekommen. Nach dem Accelerated Learning-Konzept geschieht dies mit 12 Wochen Ausbildungsdauer außergewöhnlich schnell. Außerdem legen wir großen Wert darauf, dass unsere Absolventen optimal zu den Unternehmen passen. Nach genau angepassten Anforderungsprofilen der Unternehmen können wir die neuen Mitarbeiter maßgeschneidert ausbilden.

Welche Fähigkeiten muss ein Bewerber mitbringen, um bei Academy aufgenommen zu werden?

Vorwissen ist uns im Prinzip egal. Grundsätzlich müssen Bewerber nur über 18 Jahre alt sein und über gute Deutschkenntnisse verfügen, da die Unterrichtssprache Deutsch ist. Für uns ist statt Vorkenntnissen vielmehr die Motivation der Teilnehmer wichtig. Um sicherzustellen, dass ein Bewerber geeignet für unser Ausbildungsprogramm ist, überprüfen wir die Bewerber mit zwei verschiedenen Tests hinsichtlich ihrer Problemlösungsfähigkeiten und ihrer Persönlichkeit. Nach erfolgreichem Bestehen laden wir sie zu einem telefonischen und einem persönlichen Gespräch ein.

Insgesamt haben wir eine breite Mischung an Teilnehmern: Darunter sind natürlich auch welche, die bereits über Vorkenntnisse im Programmieren verfügen. Dennoch interessiert uns eher, wo die Teilnehmer morgen stehen, als wo sie herkommen. Im Durchschnitt sind unsere Teilnehmer 31 Jahre alt, wir hatten aber auch schon ein paar Hochschulabgänger. Die Frauenquote unter den Teilnehmern an unseren IT-Klassen ist erfreulich hoch und liegt bei etwa 40 Prozent.

Wie wird man so schnell ohne Vorkenntnisse zur IT-Fachkraft? Reichen drei Monate dafür aus?

Wir betonen, dass unsere Absolventen danach nicht als fertige Programmierer ausgebildet sind. Wir vermitteln ihnen aber einen guten Ausgangspunkt und können den Unternehmen garantieren, dass sie sofort produktiv eingesetzt werden können. Immerhin sammeln sie in unseren IT-Klassen in 12 Wochen ungefähr 500 Programmierstunden und damit so viel wie in manch einem Informatikstudium.

Das klingt nach intensiver Arbeit. Wie hart ist die Ausbildung bei Academy?

Es stimmt, die Ausbildung bei uns kann man durchaus als intensiv bezeichnen. Die bloßen Anwesenheitszeiten sind zwar wie gewöhnliche Arbeitszeiten, Montag bis Freitag von 09:00 bis 17:00 Uhr. Hinzu kommen aber bestimmte „Checkpoints“, die es während der Ausbildung laufend zu bestehen gilt. Diese Hürden zu meistern, ist eine zusätzliche Herausforderung und manchmal mit Mehrarbeit verbunden.

Die meisten Teilnehmer besitzen dazu einen großen persönlichen Ansporn, sich möglichst viel Wissen in der kurzen Zeit anzueignen. Daher trifft man sie häufig auch noch abends oder am Wochenende bei uns an. Hierfür spielt sicher auch die angenehme Atmosphäre bei uns am neuen Standort in Garching eine Rolle.  Außerdem bringen unsere kleinen Klassen mit etwa 15 Teilnehmern ein starkes Gemeinschaftsgefühl mit sich.

Wie beliebt ist Ihr Ansatz in Deutschland?

Unser Angebot wird gut angenommen, allein im ersten Quartal 2019 hatten wir 3.000 Bewerbungen. Und das nur knapp ein Jahr nach unserer Gründung. Im Juni 2018 haben wir die erste Java-Klasse gestartet. Weitere offene und kundenspezifische Programme wurden seitdem erfolgreich durchgeführt oder befinden sich bereits in Planung.  Zurzeit mieten wir wegen der großen Nachfrage weitere Räumlichkeiten in Köln und ab Juli auch in Hamburg an. So können wir immer möglichst nah an unseren Kundenunternehmen bleiben.

Ist die Academy eine Konkurrenz zur klassischen Hochschulausbildung?

Nein, in keiner Weise wollen wir eine Konkurrenz zu Hochschulen darstellen. Wir sehen uns eher als Ergänzung, als Komplementärlösung. Diversität im Team ist für Unternehmen oft von Vorteil: Wir bringen durch unsere Quereinsteiger andere Hintergründe in die Unternehmen ein. Daher begegnen uns die Hochschulen im gegenseitigen Austausch auch mit offenen Ohren.

Wie offen sind die Unternehmen für Ihr Ausbildungsmodell?

Accelerated Learning ist ein Konzept, das in den USA schon länger bekannt ist. Hierzulande herrschte hingegen zunächst einige Skepsis vor: Schließlich müsse man normalerweise ja 5 bis 6 Jahre studieren, wie sollen dann 12 Wochen Ausbildung ausreichen? Doch mittlerweile hat sich diese Sichtweise geändert. Dabei kommt uns auch der Fachkräftemangel entgegen: Da wir schnell die passenden Fachkräfte an die Unternehmen vermitteln, wird unser Modell auch in Deutschland gut von den Unternehmen angenommen – und die Liste unserer Referenzen immer länger.

Ist der Ansatz ein zukunftsfähiges Modell, um mehr Fachkräfte in deutsche Unternehmen zu bringen?

Alleine können wir den Fachkräftemangel leider nicht lösen: Zurzeit fehlen allein im IT-Bereich über 80.000 Fachkräfte in Deutschland. Aber wir sehen, dass das Konzept auch auf neue Berufsfelder übertragbar ist und dass wir in der sich stetig verändernden Berufswelt eine gute Möglichkeit für einen Perspektivenwechsel anbieten können.

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