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Sind Kryptowährungen schon tauglich für den Mittelstand?

Kryptowährungen sind spätestens seit dem Kursfeuerwerk Ende des Jahres 2017 in aller Munde. Befürworter sehen darin die Zukunft des Finanzwesens, Kritiker einen weiteren Auswuchs des Kasinokapitalismus. Doch Kapitalismus bedeutet auch Veränderung. Wer hätte je gedacht, dass China in der Handytechnologie auf die Überholspur wechselt, schließlich dominierte lange das finnische Unternehmen Nokia die Szene. Nach dem kometenhaften Aufstieg von Apple als neuer Smartphone-Innovator und Android als weltweit dominanten Smartphone-Betriebssystem begannen die Uhren anders zu ticken.

Veränderungen stehen an der Tagesordnung

Dieser Veränderungswille macht vor keiner Branche halt. Als vor Jahrzehnten die Kleiderfabriken zuerst in den Osten und dann nach Asien abwanderten, galt das noch als Ausnahme. Doch der Kapitalismus hat seinen Siegeszug längst rund um den Planeten angetreten. Wo die Investoren die höchste Rendite für ihr Geld erwarten, dort ziehen die Unternehmen hin. Das kann selbst seit Jahrzehnten als krisensichere Standorte geltende Städte wie die Glückspielmetropole Las Vegas treffen. Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass Macao Las Vegas den Rang ablaufen wird? Doch das Neue fasziniert die Menschen. Der Wandel steht also auch in der Wirtschaft regelmäßig auf der Tagesordnung. Und so stürzten sich zu Beginn des Krypto-Hypes viele Börsenspieler auf die neuen digitalen Währungen und versuchten ihr Glück, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Doch diese Phase scheint nun am Abklingen zu sein, höchste Zeit für die Frage: Sind Kryptowährungen auch etwas für mittelständische Unternehmen und welche Vor- und Nachteile bringen sie?

Ist das Geld?

Wer sich mit dem Thema Kryptowährungen bisher noch nicht beschäftigt hat, fragt sich unwillkürlich: Sind Kryptowährungen überhaupt Geld? Die Antwort auf diese Frage lautet ja. Geld hat im Laufe der Jahrhunderte immer wieder einen Wandel durchgemacht. Es startete als Naturalgeld beim Tausch und entwickelte sich zu Münzgeld, das in Edelmetallen wie Gold und Silber geprägt wurde. Danach kam das Papiergeld auf, das sich zu einem elektronischen Buchgeld weiterentwickelte. Nun ist offenbar die nächste Evolutionsstufe, die Kryptowährung, voll im Gange. Wie bei jeder Veränderung ist auch hier die Unsicherheit groß. Welches Kursrisiko ist mit Kryptowährungen verbunden? Was kann ich damit kaufen? Sind Kryptowährungen überhaupt legal in Deutschland? All diese Fragen verdienen eine genauere Betrachtung.

Der Finanzminister fordert seinen Anteil

Der Kauf, bzw. der Einsatz von Kryptowährungen bei Geschäften ist in Deutschland grundsätzlich legal. Diese digitalen Währungen erfüllen zwar eine Geldfunktion, gelten aber noch nicht als gesetzliche Zahlungsmittel, so wie die Eurobanknoten und Münzen. Zahlungen mit Bitcoin gelten daher rechtlich als Tauschgeschäft. Spekulation mit Kryptowährungen ist erlaubt, doch Gewinne fallen in Deutschland unter die Einkommenssteuer. Es gibt zwar eine Freigrenze, doch diese ist mit nur € 600 pro Jahr sehr gering. Nach einer Behaltefrist von einem Jahr sind Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen allerdings steuerfrei. Fallen Einkünfte aus einer selbstständigen nachhaltigen Tätigkeit an, gelten diese als Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb und sind genauso zu behandeln.

Wo bleibt die Regulierung?

Der sprunghafte Anstieg des Interesses an Kryptowährungen hat dieses Jahr auch die internationale Politik auf den Plan gerufen. Schließlich zeichnen sich digitalen Währungen nicht nur dadurch aus, dass sie weltweit ohne fixen Standort agieren und anonym handelbar sind, sondern auch durch fehlende staatliche Regulierungen. Das Thema stand bereits auf der Tagesordnung der G20 Staaten, wurde dann jedoch kurzfristig verschoben. Auch in Deutschland wird der Ruf nach gesetzlichen Rahmenbedingungen immer größer. Diese werden nicht nur von den Kritikern, sondern auch von den Befürwortern gefordert. Schließlich würden Sie nicht nur den Kunden, sondern auch der Branche Sicherheit bringen.

Jetzt Wissen sammeln, später profitieren

Deutschland ist nach zögerlichem Beginn dabei seinen Rückstand im weltweiten Vergleich langsam aufzuholen. Immer mehr Pilotprojekte für den Kauf von Waren schießen aus dem Boden. Große Unternehmen widmen sich zunehmend dem Thema Blockchain, also der Technologie, auf deren Basis beispielsweise die bekannteste Kryptowährung Bitcoin funktioniert. Experten sind sich einig, dass der Siegeszug der Blockchain kaum mehr aufzuhalten sein wird.

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Für den Mittelstand ist das bereits jetzt abzusehen. In Deutschland gibt es laut Bundesfinanzministerium bereits sechs Banken, die mit Bitcoin handeln. Große Autokonzerne wie VW arbeiten daran, wie sie die Blockchain in ihre Systeme integrieren und so für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen können. Das deutsche Unternehmen Bitwala und die Technologieplattform mit Banklizenz solarisBank arbeiten daran, traditionelle Bankkonten mit Kryptowährungen zu verbinden. All diese Lösungsansätze deuten darauf hin, dass Kryptowährungen schon bald in massentaugliche Anwendungen integriert werden sollen. Der Mittelstand ist daher gut beraten, sich dem Thema zu widmen, um für den Zeitpunkt gewappnet zu sein.

Noch bergen Kryptowährungen ein hohes Kursrisiko, die Ein- und Verkaufsmöglichkeiten sind beschränkt, doch das wird sich voraussichtlich bald ändern. Mut ist elementarer Bestandteil des Fortschritts. Auch der Mittelstand sollte sich jetzt mit dem Thema Kryptowährungen und Blockchain zu beschäftigen. Die Technologie ist erst wenige Jahre alt, doch die Fortschritte der letzten zwei Jahre sind gewaltig. Der Wissensvorsprung wird sich in Zukunft bezahlt machen.

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