Lieferengpässe

Mittelstand in Bayern

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Lieferengpässe belasten Mittelstand

Eine Sonderumfrage der KFW im September 2021 hat ergeben, dass vor allem KMU von den aktuellen Lieferengpässen stark betroffen sind. Jeder zweite Betrieb hat mit den Folgen zu kämpfen, weshalb sogar die KFW-Wachstumsprognose von 3,5 Prozent im Mai auf 3,0 Prozent für das Jahr 2021 gesenkt wurde. Einer der Gründe für die Probleme ist noch immer die Corona-Pandemie. Viele Firmen mussten wegen der Krise ihre Produktion herunterfahren und können nun Unternehmen nicht ausreichend versorgen.

Wirtschaftliche Probleme in China

Ein weiterer Grund für die Lieferengpässe sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in China. Denn dort ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Stromausfällen gekommen. Das liegt an den radikalen Energiesparplänen der Regierung, die dazu führen, dass Regionen zeitweise den Strom abstellen. Zahlreiche Unternehmen, wie die Zulieferer von Tesla und Apple, waren bereits davon betroffen und mussten deswegen ihre Produktion unterbrechen.

Ein weiteres Problem, das in Deutschland ebenso existiert wie in Großbritannien ist der Mangel an Lkw-Fahrern. Als Folge des Brexit gibt es in England zu wenig Fahrer, sodass es zu großen Versorgungsengpässen kommt und Tankstellen beispielsweise kein Benzin mehr haben. Experten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland in Zukunft zu einem Versorgungsmangel kommen könnte. Denn es fehlen zur Zeit bereits zwischen 60.000 und 80.000 Fahrern. Dies könnte die Schwierigkeiten bei der Belieferung zukünftig verstärken.

Verarbeitendes Gewerbe besonders betroffen

Die größten Folgen der Lieferengpässe in Deutschland spüren aktuell das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe. Dort gaben jeweils 78 Prozent der Betriebe an, unter Knappheit zu leiden. Selbst in dem sonst wenig von Lieferengpässen betroffenen Dienstleistungssektor haben vier von zehn mittelständischen Unternehmen aktuell Schwierigkeiten. Eine Besserung der Situation ist im Moment nicht absehbar. Zwar gibt es in einigen Branchen, wie der Holzwirtschaft, einen kleinen Aufschwung, in anderen Bereichen könnten die Probleme aber noch bis weit in das Jahr 2022 hineinreichen. Ein Großteil der Betriebe erwartet keine zeitnahe Verbesserung der Situation. Die meisten Firmen gehen davon aus, dass die Schwierigkeiten noch ein halbes bis ganzes Jahr andauern werden. Jedes fünfte Unternehmen rechnet sogar damit, dass die Engpässe erst in einem Jahr gelöst sein werden.

Lieferengpässe werden auch Kunden spüren

Die Folgen der Lieferschwierigkeiten in den KMU sind unterschiedlich. Das mit 29 Prozent am häufigsten genannte Problem ist der erhöhte Arbeitsaufwand in der Beschaffung von Waren. Auch auf Verbraucher werden sich die Folgen der Lieferbeeinträchtigungen auswirken: Jedes vierte befragte Unternehmen gab an, die Preise für seine Produkte erhöhen zu müssen. In zahlreichen Betrieben musste sogar schon die Beschäftigung reduziert werden. Im verarbeitenden Gewerbe hat rund jede zehnte Firma bereits durch Urlaub, Überstundenabbau oder Kurzarbeit den Arbeitsumfang reduziert.

Die Lieferengpässe werden wohl auch das Weihnachtsgeschäft betreffen. Da insbesondere Baumärkte, Möbelhäuser und die Elektronikbranche mit Problemen zu kämpfen haben, vermuten Experten, dass Weihnachtsgeschenke entweder nicht lieferbar oder teurer sein werden. Kunden sollten daher schon möglichst frühzeitig mit dem Geschenkekauf beginnen.

Das KFW hat für die Umfrage im September 2021 rund 2400 Unternehmen befragt.

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