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Frauen in Vorständen immer noch eine Rarität

Anlässlich des Weltfrauentages letzte Woche ergibt sich eine gute Gelegenheit, auf die Gleichberechtigung in deutschen Unternehmern zu blicken. Vor allem die Anzahl der Frauen in Vorständen deutscher Unternehmen ist hierbei ein wichtiges und oft diskutiertes Thema. Zahlreiche aktuelle Studien haben nun die aktuelle Lage in den deutschen Führungsetagen analysiert.

Mittelstand setzt stärker auf Frauen in Führungspositionen

Dabei zeigt sich, dass weibliche Führungskräfte nach wie vor eher selten in deutschen Unternehmen anzutreffen sind. Gerade in Großkonzernen ist die Geschlechterverteilung in Vorständen noch sehr ungleich. In den 160 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind im Schnitt gerade einmal 7,3 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich. Kleinere Unternehmen sind da schon weiter. Im Mittelstand ist immerhin jeder sechste Posten im Vorstand mit einer Frau besetzt (16,3 Prozent). Lediglich die Dax-30-Konzerne weisen mit 13 Prozent einen annähernd vergleichbaren Frauenanteil in der Führung auf wie der Mittelstand.

Dies sind die Ergebnisse der aktuellen Studie „Frauen im Top-Management im deutschen Mittelstand“ der Beratung Ernst & Young (EY). 36 Prozent der Unternehmen haben demnach sogar ausschließlich männliche Führungsgremien. Insgesamt ist der Anteil der Frauen in Vorständen im Vergleich zum Vorjahr aber leicht gestiegen.

Frauenförderung nimmt zu

Auch die besondere Förderung von Frauen in Unternehmen nimmt zu. 20 Prozent der Unternehmen geben aktuell an, dass sie aktiv die Karriere von Frauen fördern. Das sind ebenfalls mehr als letztes Jahr (17 Prozent). Besonders flexible Arbeitszeitmodelle oder Home Office zählen zu den Maßnahmen mit denen Frauen im Unternehmen gefördert werden sollen. Jede zehnte Firma bietet flexible Arbeitszeiten an, neun Prozent fördern Frauen mit speziellem Karriere-Coaching. Sechs Prozent sensibilisieren ihre Führungsriege zum Thema Gleichstellung, fünf Prozent nennen Home Office als Maßnahme.

Industrie bleibt Männerdomäne

Trotz dieser Bemühungen sind vor allem in klassischen Industriezweigen Managerinnen generell selten anzutreffen. Im Maschinenbau sitzen gerade einmal zwölf Prozent, in der Metallerzeugung und -verarbeitung 13 Prozent und in der Baubranche 14 Prozent Frauen in der obersten Führungsetage.

Ausschlaggebend hierfür mag sein, dass Frauen immer noch deutlich seltener naturwissenschaftliche und technische Fächer studieren. Laut OECD streben nur ein Viertel der jungen Frauen hierzulande im Studium technische Berufe wie Ingenieurwissenschaften oder Informatik an. Allerdings kann dies nicht die generelle Ungleichheit in Vorständen erklären.

Höherer Erfolg bei höherem Frauenanteil

Dabei gibt es durchaus Belege wie die Deloitte-Studie „Arbeitswelten 4.0 im Mittelstand“, die zeigen, dass eine Korrelation zwischen einem hohen Frauenanteil in Unternehmen bzw. Führungsgremien und dem Erfolg der Firma besteht. Die Deloitte-Studie unterscheidet innerhalb von untersuchten Mittelständlern zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen. Hier zeigt sich, dass erfolgreiche Unternehmen stärker auf Frauen setzen: So haben 19 Prozent der erfolgreichen, aber nur 13 Prozent der weniger erfolgreichen Firmen eine oder mehrere Frauen im Aufsichtsrat. Auch bei der Gesamtzahl der Mitarbeiterinnen gibt es Unterschiede: In den erfolgreichen Unternehmen arbeiten 41 Prozent, in den weniger erfolgreichen nur 34 Prozent Frauen.

Auch 45 Prozent der befragten Unternehmen sehen in der EY-Umfrage einen wirtschaftlichen Vorteil durch mehr Frauen in Führungspositionen. Allerdings sieht die Mehrheit der Mittelständler dies noch anders: 55 Prozent gehen nicht davon aus, dass dadurch der Unternehmenserfolg positiv beeinflusst wird. Dabei haben weibliche Führungskräfte oftmals eine andere Herangehensweise oder legen Wert auf andere Faktoren, die männliche Manager eher unbeachtet lassen. Eine gemischte Führung könne einem Unternehmen daher wichtige Wettbewerbsvorteile verschaffen, sagen auch Experten.

Für die EY-Studie wurden deutschlandweit 2000 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens einer Milliarde Euro Umsatz befragt. Das ernüchternde Fazit der verantwortlichen EY-Partnerin Elfriede Eckl: „Im deutschen Mittelstand haben nach wie vor mehrheitlich Männer das Sagen. Frauen schaffen es nur mühsam in die Entscheidungsgremien.“ Die vollständigen Ergebnisse der EY-Studie finden Sie hier.

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