Finanzplätze München Frankfurt Bild

Stärken und Schwächen der beiden Finanzplätze Bayern und Frankfurt

Immer wieder ist von den starken Finanzstandorten Bayern oder Frankfurt zu hören. Abgesehen von der Frage, was einen guten oder interessanten Finanzstandort ausmacht, ist ebenso interessant, weshalb mit Bayern ein Bundesland und mit Frankfurt lediglich eine Stadt genannt wird. Das lässt die Vermutung bereits aufkommen, dass die Finanzplätze Bayern und Frankfurt unterschiedliche Stärken und Schwächen haben müssen. Nicht nur für Unternehmen ist das interessant; schließlich bedeutet ein starker Finanzplatz auch viele Arbeitsangebote.

Definition: was macht einen attraktiven Finanzplatz aus?

Als erster echter Finanzplatz galt wohl das Florenz des Mittelalters im 13. Jahrhundert. Schon dieser Standort verdeutlicht heute noch wichtige Voraussetzungen für eine Stadt oder Region, zu einem attraktiven Finanzplatz zu wachsen. Zunächst ist politische Stabilität besonders wichtig, gefolgt von einer möglichst wirtschafts- und finanzfreundlichen, liberalen Politik. Die damals wichtige Welt außerhalb Europas umfasste vor allem das nördliche Afrika und Asien von Nahen bis zum Fernen Osten.

Porzellan, Gewürze und hochwertige Textilien fanden den optimalen Transportweg nach Italien. Florenz ist gleichzeitig das Tor zum nördlichen Europa jenseits der Alpen. Die Verkehrswege sind relativ kurz und im Verhältnis zu anderen Routen damit sicherer. Die internationale Anbindung sowie eine hervorragende Infrastruktur vor Ort sind also ebenfalls wichtig. Darüber hinaus entstanden auch wichtige Universitäten und Schulen, die das notwendige Wissen lehren. Immerhin werden ebenso gut qualifizierte Mitarbeiter benötigt.

Finanzplätze heute: Bayern und Frankfurt in Deutschland

Im Prinzip lässt sich bei dieser Analyse bereits feststellen, dass die genannten Standortvorteile auch heute noch eine hohe Relevanz besitzen. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, weshalb sich Frankfurt sehr gut als Finanzplatz und Bayern als Finanz- und auch Wirtschaftsstandort mit deutlichem Vorsprung gegenüber anderen Regionen etablieren konnten. Frankfurt ist annähernd die geographische Mitte Deutschlands. Damit war die Metropole schon frühzeitig als Verkehrsdrehscheibe prädestiniert.

Schwächen und Stärken des Finanzplatzes Frankfurt

Das hat letztlich zu einem der wichtigsten Großflughäfen Europas, einem zentralen Eisenbahnstandort und einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt bei allen Autobahnverbindungen geführt. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass die im 20. Jahrhundert zunehmend wichtiger werdende Telekommunikation ebenfalls ihren wichtigsten Knotenpunkt in Frankfurt fand. Dazu kommt eine seit jeher sehr liberale Wirtschaftspolitik in Frankfurt. Heute ist für die Hochfinanz vor allem eine extrem schnelle Datenanbindung erforderlich. Im Hochfrequenzhandel sogar so stark, dass jeder weitere Meter Entfernung vom Datenknotenpunkt wertvolle Zeit kostet.

Und dennoch gibt es wichtige Unterschiede zu anderen Finanzplätzen. Wie jeder Online-Casino-Zocker wohl bestätigen kann, besitzen beispielsweise in Deutschland, also in der Europäischen Union tätige Internet-Casinos kaum einen deutschen Standort. Stattdessen finden sich diese Unternehmen innerhalb der EU entweder am Finanzplatz London oder Valletta (Malta). Bei der Glücksspielindustrie handelt es sich um stark regulierte Bereiche. Daran zeigt sich schnell, dass dort weitere Vorteile dazukommen, die kein Standort in Deutschland bieten kann: neben einfacheren Bedingungen bei entsprechenden Lizenzen bessere Steuer- und Regulierungsbedingungen. Daher ist die Entscheidung, nach dem Brexit den wichtigsten europäischen Finanzplatz von London nach Frankfurt zu verlegen, so heiß diskutiert.

Die Stärken des Standorts Frankfurt liegen also einerseits in der sehr guten Verkehrsanbindung und einer im Internetzeitalter ausgesprochen wichtigen Datenanbindung am wichtigsten Telekommunikationsknoten. Als Schwäche gegenüber anderen Finanzplätzen in Europa ist die sicherlich nicht genügend liberale Wirtschafts- und Finanzpolitik zu nennen, aber auch die enge Begrenzung auf die Metropolregion Frankfurt. Für Unternehmen und Arbeitnehmer ist eine Stärke die Fokussierung auf Finanzgeschäfte auf hohem Niveau, wenn sie hier tätig werden wollen – dies ist aber auch eine Schwäche für andere Wirtschaftsunternehmen und Arbeitnehmer.

Vorteile und Nachteile vom bayrischen Finanzplatz

Hier ist es Bayern, welches hervorsteht. Auch hier zeigt der Blick in die jüngere Vergangenheit, dass die Zielsetzung eine völlig andere war als in Frankfurt. Die Wirtschaftspolitik schafft in Bayern sehr gute steuerliche Voraussetzungen für Unternehmen allgemein. Die Infrastruktur ist ebenfalls ausgesprochen gut ausgebaut. Bestimmte Regionen wie zum Beispiel Nürnberg und Erlangen haben technische und medizinische Unternehmen fokussiert. Aber auch in München und anderen Regionen spielen Technik und Forschung wichtige Rollen, wie zwei führende Automobilhersteller und zahlreiche andere gewichtige technische Wirtschaftsunternehmen und Rüstungsbetriebe belegen.

Zwar hat die Münchner Börse nicht die Bedeutung der Börse in Frankfurt. Aber dennoch ist ihre Bedeutung noch hoch genug, dass viele „klassische“ Bankhäuser hier ihren Sitz gefunden haben. Darüber hinaus hat Bayern verstanden, dass es für einen „allgemeinen“ Finanzplatz und Wirtschaftsstandort ebenso wichtig ist, qualifizierte Arbeitnehmer zu bieten. Dementsprechend erreicht das Bundesland im Bildungsvergleich kontinuierlich Spitzenpositionen. Die Schwäche, die es hier zu neutralisieren gilt, liegt vor allem in der internationalen Wahrnehmung. Hier befindet sich das Bundesland wegen dem oft durch spektakuläre Schlagzeilen schillernden Frankfurt etwas im Schatten der Mainmetropole.

Fazit: Bayern breiter aufgestellt und Frankfurt deutlich spezialisiert

Bayern profitiert maßgeblich von seiner visionären Politik, ein ganzes Bundesland als Finanzplatz zu stärken. Das schafft Platz für vielseitig tätige Wirtschaftsunternehmen. Die Spezialisierung in Frankfurt wird dagegen immer offensichtlicher. Zuletzt mit der Standortentscheidung der Europäischen Zentralbank für Frankfurt. Die öffentliche Wahrnehmung ist dadurch größer, wenngleich die Metropole dadurch auf dieses Finanzsegment reduziert wird. Das eröffnete bereits in der Vergangenheit die erfolgreichen Bestrebungen Bayerns. Der Vorteil dabei ist, dass sich beide Finanzplätze letztlich nicht in die Quere kommen, wenngleich die Zukunft für Bayern vielschichtiger und damit flexibler sein wird.

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