Welche Gefahr birgt die Inflation wirklich für die Geldanlage?

Veröffentlicht: 25.09.2012

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Am Schlagwort Inflation entzünden sich spätestens seit 2008 nicht nur in den immer gleichen Talkshows die Emotionen. Kommt sie oder kommt sie nicht? Welche Auswirkungen hat die massive Ausweitung der Geldmenge durch Notenbanken rund um den Globus auf die Inflationsrate und damit letztlich auf die Vermögensentwertung? Gibt es wirklich einen Schutz vor Inflation? Wir haben einige Fakten zusammengetragen, um über die Hintergründe aufzuklären und erlauben uns das Thema Inflation auch von einer ganz anderen Seite zu beleuchten.

Die gute Seite der Inflation
Inflation – eine sachliche Betrachtung

Inflation wird vordergründig immer mit Geldentwertung gleichgesetzt. Dabei wird vielfach jedoch vergessen, dass auch die Inflationsrate nur eine nominale Änderung des Geldwerts beschreibt. Hundertprozentige Preisstabilität funktioniert nur auf dem Papier. Oder in einer Planwirtschaft. Dort sorgen gesetzlich vorgegebene Preise für nominale Stabilität. Dass das eine ganz andere Form von Stabilität ist, haben die planwirtschaftlichen Feldversuche längst vergangener Jahrzehnte gezeigt. Denn wie die Geschichte beweist, hat eine statische Wirtschaft gegenüber dem marktwirtschaftlichen Modell keinen Mehrwert erreicht. Das wohl bezeichnendste Beispiel zeigt sich in der deutschen Automobilindustrie: während Wartburg und Trabant nicht zu Marktpreisen verkauft wurden – bis sie letztlich nicht mehr zu verkaufen waren – ist natürlich der Preis der Hersteller für Fahrzeuge, die auch heute noch auf den Straßen unterwegs sind, im Lauf der Zeit gestiegen. Nominal kostet heute ein PKW natürlich mehr als vor 20 oder gar 40 Jahren. Aber wer würde behaupten, dass er beim Kauf eines Neuwagens im Vergleich zu 1990 oder 2000 für den heutigen Preis kein Plus an Sicherheit oder Funktionalität und Komfort erhält? Oder nehmen Sie einen mittlerweile so alltäglichen Gebrauchsgegenstand wie ein Mobiltelefon. Natürlich sind smartphones heute teurer als ein Handy vor zehn Jahren. Aber wer würde behaupten, dass er vor zehn Jahren quasi von überall seine Emails abrufen oder Kalender und Notizbuch so bequem wie heute verwalten konnte? Da wir nicht in statischen Wirtschaftskreisläufen leben, wird produktiver Fortschritt selbstverständlich auch mit einem höheren Preis bewertet und letztlich auch bezahlt. Sonst lohnten sich Forschung und Entwicklung nicht. Selbst die Deutsche Bundesbank als Hüterin der Deutschen Mark und heute die Europäische Zentralbank definieren Preisstabilität nicht mit gleichbleibenden Preisen. Eine mäßige Inflation ist somit nicht Ausdruck eines Problems, sondern nüchtern betrachtet auch eine natürliche Begleiterscheinung wirtschaftlichen Fortschritts.

Wie immer: 2 Seiten der Medaille

Natürlich gibt es auch die viel häufiger wahrgenommene und mit Sicherheit zu recht wahrgenommene schmerzhafte Seite der Inflation. Sie tritt nicht nur zum Vorschein, wenn wir keinen Sinn darin erkennen, warum das Stück Butter plötzlich 20% teurer ist als im Vorjahr oder der Benzinpreis an der Tankstelle wieder neue Rekorde in Angriff nimmt. Sondern auch wenn wir feststellen, dass über Jahre mühsam Erspartes nicht mehr dazu ausreicht, den vor Jahren zum Sparziel erklärten Wunsch zu bezahlen. Kritisch wird es spätestens, wenn die Inflationsspirale wie in den 1920er Jahren in Gang kommt, aber davon sind wir aktuell weit entfernt. Und dafür gibt es gute Gründe: Für Unternehmen ist es heute deutlich schwieriger als zur damaligen Zeit, Preiserhöhungen durchzusetzen. Denn mit der wesentlich höheren Vergleichbarkeit und damit Austauschbarkeit von Produkten und Dienstleistungen können sich Unternehmer keine unbegründeten Preiserhöhungen erlauben ohne Gefahr zu laufen, Marktanteile zu verlieren. Natürlich gibt es auch heute Ausnahmen, wie die Preisbildung der Mineralölkonzerne immer wieder zeigt.

Düstere Prognosen sind nicht eingetreten

Als die Notenbanken rund um den Globus während der Finanzkrise begannen, massiv Geld zu drucken, wurden schlagartig düsterste Szenarien entworfen und verbreitet. Oft zitiert wurde u.a. der Direktor des Hamburger WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, der für 2011 eine Inflationsrate von 10% prognostizierte.

Nicht überall, wo Inflationsschutz draufsteht…
… steckt auch Inflationsschutz drin

Sicher ist, dass sich ein Vermögen nicht mit einer fünfjährigen Inflationsanleihe, die 1% Mindestverzinsung garantiert und deren Verzinsung zudem noch bei 4% nach oben gedeckelt ist, vor Geldentwertung schützen läßt. Das Problem an der vermeintlichen Lösung zum Schutz vor Inflation ist paradoxerweise die Inflationsrate an sich: Denn die durchschnittliche Preissteigerung wird als prozentualer Wert gegenüber einem Vergleichszeitraum (in der Regel dem Vorjahr) berechnet. Damit entsteht ganz schnell ein als Basiseffekt umschriebenes Phänomen: Denn Preise steigen in einer Martkwirtschaft nicht jährlich linear. Das heißt, auf ein Jahr mit hoher Inflation folgt in der Realität auch gelegentlich wieder ein Jahr mit niedrigen Preissteigerungen, in dem es dann maximal die Mindestverzinsung für Anleger – in unserem Beispiel also magere 1% – gibt. Inflationsanleihen eignen sich daher nur für Anleger, die von deutlich steigenden Inflationsraten über mehrere Jahre überzeugt sind. Experten halten dies in einem konjunkturell rückläufigen Umfeld, wie es auch aktuell befürchtet wird, für nicht sehr wahrscheinlich. So war auch 2009 eine historisch niedrige Inflationsrate zu beobachten – als Folge des Wirtschaftseinbruchs wurden weniger Rohstoffe und Güter nachgefragt, was sich folglich in rückläufigen Preisen auswirkte, obwohl die Geldmenge, die früher als wesentlicher Indikator für Inflation galt, durch die weltweiten Rettungspakete drastisch anstieg. Dabei machte sich möglicherweise auch ein wesentlicher Unterschied zu den 1920er Jahren bemerkbar: das zusätzlich von den Notenbanken zur Verfügung gestellte Geld blähte zwar deren Bilanzen auf, kam aber nicht in vollem Umfang auf den Realmärkten an und wurde als der Geldfluss zwischen den Banken wieder zu funktionieren begann, zum Teil auch schon wieder „eingezogen“. Ganz einfach betrachtet könnte man dies vielleicht als den Vorteil von Buchgeld gegenüber real gedrucktem und in Umlauf gebrachten Papiergeld beschreiben.

Aktuelle Inflationsrate nicht vergessen

So gefährlich es für Anleger werden kann, sich in Panik vor Geldentwertung für die vierte oder fünfte Eigentumswohnung zu entscheiden oder den überwiegenden Teil Ihres Vermögens in Gold oder Aktien anzulegen, so gefährlich ist es, das Thema Inflation bei der Geldanlage generell zu ignorieren. Denn nicht die vielleicht nie eintretende prognostizierte Extrem-Inflation ist es, die Geldwerte vernichtet, sondern die reale jeweils aktuelle Inflation. So steigen die Verbraucherpreise natürlich auch aktuell im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings zu einem Wert, der nichts mit den düsteren Prognosen aus dem Jahr 2009 zu tun hat, denen wir als unabhängige Privatbank uns immer entgegengestellt haben.
Aber: Auch bei einer jährlichen Inflationsrate von nur 2% schwindet die Kaufkraft einer Geldanlage binnen 10 Jahren um mehr als 17%: So bleiben von einer Geldanlage mit einem Anlagebetrag von 20.000 EUR in 10 Jahren „gefühlt“ nur noch etwas mehr als 16.000 EUR übrig. Da es jedoch – genausowenig wie jemand den Stand des DAX in zehn Jahren seriös prognostizieren kann – schwierig sein dürfte, die Inflation auf Sicht von zehn Jahren vorherzusagen, führt der einzige Weg, Inflationsrisiken zu begrenzen zu einem sinnvollen Mix aus verschiedenen Anlagemöglichkeiten und nicht zu der einen Immobilie oder dem einen Geschlossenen Fonds für die Geldanlage in Sachwerte.

Über den Autor:
Markus Steimerist Leiter Privat- & Firmenkunden bei der MERKUR BANK KGaA in München, www.merkur-bank.de

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