Die Netzentgelte sollen vereinheitlicht werden
Der Strompreis soll durch das neue Gesetz zur Vereinheitlichung der Netzentgelte sinken (Bild: Pixabay)

Strompreise: Entlastung ab 2019 in Sicht?

Veröffentlicht: 03.08.2017

Hohe Stromkosten sind für Unternehmer ein leidiges Thema. Laut IHK-Energiewendebarometer fordern inzwischen 57 Prozent der bayerischen Unternehmen niedrigere Stromkosten. Mit dem vor Kurzem verabschiedeten Gesetz zur Vereinheitlichung der Netzentgelte könnte sich die Preissituation in Teilen Deutschlands verbessern. Langfristig sollen die Strompreise dadurch generell sinken und eine erfolgreiche Gestaltung der Energiewende ermöglicht werden.

„Wer die Energiewende will, braucht zügigen Netzausbau. Für die Akzeptanz dieses Projekts ist eine faire Verteilung der Kosten auf alle Schultern entscheidend“, so brachte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries den Zweck des kürzlich verabschiedeten Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (NEMoG) auf den Punkt. Der Bundesrat hat den Entwurf bereits gebilligt, sodass er aktuell in Kraft tritt.

Angleichung der Netzentgelte ab 2019 senkt vielerorts Strompreise

Als zentrale Neuerung des Gesetzes gilt die Vereinheitlichung der Netzentgelte bis 2023. Die regionalen Unterschiede, die derzeit bei den Übertragungsnetzentgelten bestehen, werden Schritt für Schritt abgebaut: Netzentgelte sind Zahlungen, die die Netzbetreiber für die Nutzung ihrer Stromnetze erhalten. Diese Übertragungsnetzentgelte werden bis 2023 bundesweit angeglichen. Die erste Anpassungsstufe sieht das NEMoG für 2019 vor. Ab 2023 sollen die Zahlungen dann überall in Deutschland gleich hoch sein. Die Vereinheitlichung wird die Entgelte in den nördlichen und östlichen Netzgebieten aus heutiger Sicht um mehr als 20 Prozent sinken lassen. Entlastungen sind also in den neuen Bundesländern, in den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sowie in Niedersachsen und in Teilen Bayerns denkbar.

Stromverbraucher in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland müssen hingegen mit Mehrkosten rechnen. Diese bleiben zumindest für Privatleute aber gering: „Die Regelung betrifft in erster Linie die großen Stromverbraucher in der Industrie. Privatkunden werden die Folgen im einstelligen Eurobereich kaum spüren“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox.

Entlastung durch Reform der „vermiedenen Netzentgelte“

Eine weitere Anpassung des NEMoG betrifft die sogenannten „vermiedenen Netzentgelte“. Dies sind Zahlungen für dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel durch Windkraftanlagen. Sie werden aus den Netzentgelten beglichen, die Stromverbraucher zahlen müssen. Vermiedene Entgelte sind ein Grund für regional unterschiedlich hohe Netzentgelte. In manchen Regionen machen sie bis zu 20 Prozent der gesamten Netzentgelte aus, in anderen deutlich weniger (Bundesschnitt: rund 10 Prozent). Von der nun verabschiedeten teilweisen Abschaffung der Zahlungen profitieren somit alle Stromverbraucher: Haushalte und Gewerbetreibende ebenso wie die Industrie.

Die Wirtschaft zeigt sich angesichts des Gesetzes zufrieden: „Das Netzentgeltmodernisierungsgesetz war ein längst überfälliger erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte beispielsweise Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Doch weiter im Raum bleibt die Forderung des Mittelstands nach einer Strompreisbremse. Hohe Stromsteuern, EEG-Umlagen und weitere Kosten der Energiewende verteuern den Strom seit Jahren. Allein die EEG-Umlage und die Netzentgelte verursachen jährliche Kosten in Milliardenhöhe für Unternehmen und werden als Risikofaktor für Industriestandorte gesehen. Deutschland hat EU-weit die höchsten Strompreise, dabei sind drei Viertel des Strompreises staatlich veranlasste Abgaben. Weitere Informationen zu den Netzentgelten und dem neuen Gesetz finden Sie unter: http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/wettbewerb-energiebereich-4.html.

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