Überakademisierung
Azubi-Mangel in München(Foto: Pixabay)

Flüchtlinge heben bayerische Ausbildungsbilanz

Veröffentlicht: 02.02.2018

Der Trend zur Akademisierung in Deutschland nimmt weiter zu. Nach der allgemeinen Hochschulreife folgt für drei Viertel der Abiturienten ein Studium, so die Bundesagentur für Arbeit. Eine praktische Ausbildung ist für die meisten keine Option. Die Betriebe leiden darunter, denn bereits heute bleiben allein in Bayern über 1.100 Lehrstellen mangels Bewerber unbesetzt. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass immer mehr Geflüchtete eine Lehre antreten und die Ausbildungsbilanz somit deutlich anheben.

Azubi-Mangel in München verschärft sich

Zum sechsten Mal in Folge haben Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in München weniger Azubi-Nachwuchs als im Vorjahr gefunden. Für das vergangene Jahr 2017 verzeichnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern insgesamt 5.904 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in der Landeshauptstadt, ein Minus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2011 stellten die Betriebe noch über 6.600 Lehrlinge ein. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sank ebenfalls leicht auf 3.094 zurück.
IHK-Präsident Eberhard Sasse kommentiert: „Die Betriebe tun alles für eine langfristige Trendumkehr in der Ausbildung. Sie kämpfen seit Jahren praktisch um jeden Azubi. Wir alle müssen uns noch mehr auf die duale Berufsbildung als bestes Sprungbrett in die Karriere zurückbesinnen. Das betrifft nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer, sondern auch die Bildungspolitik mit ihrem Drang zur Akademisierung. Die Ausbildung ist einer der wichtigsten Grundpfeiler unserer wirtschaftlichen Stärke.“

Lösungsmaßnahmen werden ergriffen

Um ein neues Bewusstsein für den Bildungsweg ,,Ausbildung“ zu schaffen, haben die bayerischen IHKs und Partner wie das Wirtschaftsministerium in den vergangenen Jahren erfolgreiche Kampagnen wie ‚,Elternstolz“ oder die ,,Woche der Ausbildung“ ins Leben gerufen, die dieses Jahr am 26. Februar startet. Auf dem Veranstaltungskalender der letzteren stehen unter anderem die ,,große Ausbildungsplatzbörse“, Tage der offenen Tür in verschiedensten Betrieben und Vorträge mit ansprechenden Titeln wie ,, Beruf oder Berufung? Ausbildung in der Kinderpflege!“. So sollen Schüler und Eltern über mögliche Ausbildungswege aufgeklärt und Azubis über ihre Berufschancen informiert werden.

Vor allem die Geflüchteten geben der Ausbildung derzeit einen Schub. 2017 traten in Bayern rund 2.700 Jugendliche aus fluchtwahrscheinlichen Ländern eine Lehre an, das waren fünf Prozent aller neuen Azubis. Um das volle Potential der Flüchtlingswelle auszuschöpfen und dem Azubi-Mangel entgegenzuwirken, bieten Ausbildungsbetriebe vermehrt Deutsch- und Integrationskurse an. ,,Ohne Flüchtlinge und Einwanderer wäre die Ausbildungsbilanz mit einem dicken Minus äußerst besorgniserregend ausgefallen. Sie sind eine wichtige Stütze.“, betont Sasse.

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