Achim von Michel, Herausgeber von mittelstandinbayern.de
Achim von Michel, Herausgeber und Chefredakteur von mittelstandinbayern.de

Energiewende: Was die Schweiz von uns lernen will

Veröffentlicht: 10.08.2015

Im Juli hatte ich die Gelegenheit, in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF die Position des Mittelstands zum Thema Energiewende in Deutschland darzulegen. Anlass war die bevorstehende Abschaltung des ältesten deutschen Atomkraftwerks im unterfränkischen Grafenrheinfeld. Der Beitrag wurde trotz hochakuter Griechenland-Krise an einem Samstag in den Abendnachrichten – der Schweizer Tagesschau – zur Hauptsendezeit ausgestrahlt. Sie können ihn HIER abrufen.

Gelernt habe ich von dem sehr kompetenten SRF-Redakteur, dass die Schweiz – wie übrigens sicher viele andere Länder – mit großem Interesse unsere Ansrengungen und Planungen in punkto Energiewende verfolgt. Die Schweiz lebt zu 80 Prozent von fossilen und nuklearen Energierohstoffen. Diese Energiequellen werden noch in diesem Jahrhundert versiegen. Auch die Schweiz tut also gut daran, ihr Energiesystem frühzeitig auf einheimische, erneuerbare Energien umzubauen und den Energieverbrauch zu reduzieren. Allerdings gehen die Eidgenossen das Thema etwas gemächlicher an. In einer „Energiestrategie 2050“ wird der Umstieg auf erneuerbare Energien zwar perspektivisch beschrieben, ein Atomausstieg im engeren Sinne ist jedoch bisher noch nicht genau geplant oder in eine Roadmap gegossen. Die aus rund einem dutzend Organisationen bestehende Vereinigung Energiesuisse.net fordert aktuell sogar, einen möglichen Atomausstieg den Schweizer Bürgern zum Volksentscheid vorzulegen.

Für den Mittelstand in Bayern und Deutschland bleibt weiterhin vor allem eine Forderung zentral: Strom muss bezahlbar bleiben, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Dies ist zum einen eine direkte und konkrete Forderung an die Politik, denn mehr als 50 Prozent des Strompreises in Deutschland fallen auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Die deutschen Strompreise liegen im Vergleich schon jetzt weit über dem europäischen Durchschnitt. Nur die Dänen zahlen mit 30,4 Cent noch mehr für die Kilowattstunde als deutsche Verbraucher (29,8 Cent). Stromkunden in Deutschland müssen mehr als doppelt so viel bezahlen wie beispielsweise wie ihre Nachbarn in Polen (14,2 Cent/kWh).

Eine zweite, zentrale Forderung an die Energiewende muss deshalb lauten: Sie darf den Strom nicht weiter verteuern und sollte sich statt dessen durch erfolgreiche Exportprodukte langfristig refinanzieren. Keine Frage: Deutschland hat das Zeug dazu, mit intelligenten Systemen zur Erzeugung, Speicherung und dem Transport von Strom zu einem Weltmarktführer in dieser Technologie zu werden, denn es ist im internationalen Vergleich sehr früh dabei und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Doch dieser Technologievorsprung kann nur dann erreicht werden, wenn Politik, Forschung und Wirtschaft konsequent an einem Strang ziehen. Aktuell sind es nach Ansicht des Ökonomen Hans-Werner Sinn vor allem die fehlenden Strom-Speichertechnologien, die eine wirtschaftliche Umsetzung der Energiewende praktisch unmöglich machen. Zu groß sind die Netzschwankungen durch regenerative Energieträger wie Solarstrom und Wind, als dass eine für die Bewältigung von Lastspitzen geeignete Versorgung insbesondere der energieintensiven Industrie möglich wäre.

Doch gleichzeitig sind die technologischen Fortschritte rasant. TESLA Motors kündigt in diesen Tagen den Bau einer gigantischen Batteriefabrik (Gigafactory) in Nevada an, um Elektromobilität durch die Produktion sehr hoher Stückzahlen erschwinglich zu machen. Aus der klassischen CHIP-Entwicklung (immerhin auch einer Speichertechnologie) vermeldet INTEL aktuell beeindruckende Forschungserfolge, die eine Vertausendfachung der Speichergeschwindigkeit im Vergleich zu den ohnehin schon fortschrittlichen FLASH-Speichern versprechen. Leider kommen beide Beispiele nicht aus Deutschland.

Wann also wird ein deutsches Forscher- oder Unternehmerteam eine wesentliche Weiterentwicklung bei der Speicherung oder Verteilung von Energie vermelden? Immerhin hat die Bundesregierung mit ihrer Förderinitiative Energiespeicher eine zentrale Plattform geschaffen, und auch die Bayerische Staatsregierung verspricht, die Grundlagenforschung bei Speichertechnologien konsequent zu fördern.

So könnten am Ende Länder wie die Schweiz dankbare Abnehmer für komplette, zukunftssichere Energiesysteme „Made in Germany“ werden. Einen Tagesschau-Bericht ist das dann allemal wieder wert.

Ihr

Achim von Michel
Herausgeber, mittelstandinbayern.de

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