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Energiepreise geben Anlass zur Sorge im Mittelstand

Veröffentlicht: 15.05.2014

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Der industrielle Mittelstand in Deutschland geht zuversichtlich in die zweite Jahreshälfte 2014, befürchtet aber mittelfristig starke Belastungen durch steigende Energiekosten. Das aktuelle BDI-PwC-Mittelstandspanel belegt, dass fast 49 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden sechs Monaten mit einer guten oder sogar sehr guten Geschäftsentwicklung rechnen – nur zehn Prozent der industriellen Mittelständler äußerten sich pessimistisch. Umsatzzuwächse erwartet ebenfalls knapp die Hälfte der Befragten.

Von besonderer Bedeutung für die Perspektiven des Mittelstands ist dabei die weitere wirtschaftliche und politische Entwicklung in Europa: Für über 90 Prozent der exportierenden Unternehmen ist dieser Wirtschaftsraum „unverzichtbar“. Zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sind daher auch für eine weitere politische und vor allem wirtschaftliche Integration Europas.

„Kurz vor den Europawahlen bekennt sich der deutsche Mittelstand klar zu Europa. Der Binnenmarkt ist eine große Errungenschaft, die durch eine engere politische Integration gesichert werden muss“, sagt Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses. „Es wäre angesichts der vielfältigen Herausforderungen verantwortungslos, das in Europa Erreichte in Frage zu stellen.“

Energiekosten als Belastungsfaktor

Große Sorgen bereitet den Unternehmen jedoch das Thema Energie: Rund drei von vier industriellen Mittelständlern (73 Prozent) sehen die Energiekosten auf Sicht der kommenden zwei Jahre als Belastungsfaktor. Mit deutlichem Abstand folgen die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie die wachsende Marktmacht der Kunden, die von jeweils gut der Hälfte der Unternehmen (53 Prozent bzw. 50 Prozent) ebenfalls als wichtige Einflussgrößen genannt werden. „Gerade der industrielle Mittelstand ist auf eine sichere Energieversorgung angewiesen. Die Energiewende macht die Kosten aber kaum kalkulierbar. Hinzu kommt aktuell die Sorge um Gaslieferungen aus Russland. Beide Faktoren haben schon jetzt Folgen für das Investitionsverhalten“, betont Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Mittelstand.

Etwa ein Drittel (31 Prozent) der von den Betrieben geplanten Investitionssumme soll in diesem Jahr in neue Kapazitäten fließen. Die verfolgten Geschäftsstrategien sprechen dafür, dass die Unternehmen eher ein organisches Wachstum als eine forcierte Expansion anstreben. So steht die Erschließung neuer Inlandsmärkte im Vordergrund – auf einer Skala von 1 (sehr geringe Priorität) bis 5 (sehr hohe Priorität) geben die Betriebe dieser Strategieoption den höchsten Stellenwert (3). Weniger wichtig erscheint derzeit die Expansion im Ausland (2). Wachstum durch Zukäufe und Übernahmen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Mäßige Noten für die Bundesregierung

Auch die Beurteilung der bisherigen wirtschaftspolitischen Arbeit der Bundesregierung steht stark unter dem Eindruck der Energiewende und -preise. Fast ein Drittel der Befragten (32 Prozent) gibt dem Kabinett schlechte oder sogar sehr schlechte Noten – nur rund 16 Prozent der industriellen Mittelständler bewerten die Regierungsleistung mit „gut“ oder „sehr gut“. Die knappe Mehrheit der Betriebe (53 Prozent) findet die Wirtschaftspolitik „befriedigend“.

„Anstatt die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen – Stichwort Verkehrsinfrastruktur und integrierter europäischer Energiemarkt – gefährdet die Bundesregierung mit Mindestlohn und Rentenpaketen die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland „, warnt Kirchhoff.

Positive Einschätzung von TTIP

Gefragt nach ihrer Einschätzung zum Freihandels- und Investitionsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP), äußern sich gut 18 Prozent der Betriebe positiv, während knapp 12 Prozent eher negative Folgen für ihr Unternehmen sehen. Dabei ist der Anteil der Befürworter des Abkommens unter den stark exportorientierten Unternehmen mit fast 45 Prozent deutlich höher. Eine Unterzeichnung des Abkommens könnte auch dazu führen, dass deutsche Unternehmen verstärkt in den USA investieren.

Europa wichtigster Investitionsstandort

Im vergangenen Jahr flossen knapp 19 Prozent der Auslandsinvestitionen nach Nordamerika. Auf die Region Asien-Pazifik entfielen demgegenüber rund 29 Prozent. Die mit Abstand wichtigste Region war Europa: Rund 45 Prozent des Investitionsvolumens im Ausland entfielen auf Standorte in der EU-28 bzw. in anderen europäischen Ländern.

Das BDI-Mittelstandspanel wird im Auftrag des BDI und PwC durch das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn erstellt. An der 19. Erhebungswelle der Online-Befragung haben sich in der Zeit vom 18. Februar bis zum 30. April dieses Jahres 779 Unternehmen beteiligt.

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