Die Gefahr lauert oft im Unternehmen

Veröffentlicht: 06.06.2012

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In Zeiten weltweiter Krisen und erhöhtem Wettbewerbsdruck haben Datenklau und Wirtschaftsspionage Hochkonjunktur. Umso wichtiger ist es für technologiebasierte Unternehmen, wirkungsvolle Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Michael George vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz (Abteilung Spionageabwehr / Wirtschaftsschutz) ist seit 2008 Referent zum Thema Informationssicherheit und Know-how-Schutz und berät Wirtschaftsunternehmen im Hinblick auf den Schutz ihrer Betriebsgeheimnisse. Im Interview spricht er über drohende Sicherheitsrisiken für mittelständische Unternehmen und wie sie ihr Know-how schützen können.

Wirtschaftsspionage wird ja immer von anderen Staaten betrieben.
Können Sie uns hier Länder nennen, die auf diesem Gebiet besonders aktiv sind ?

George: Wirtschaftsspionage ist sicher ein internationales Phänomen. Die deutlichsten Bestrebungen sehen wir jedoch in Russland und der Volksrepublik China. Wichtig erscheint uns dabei, dass sich die Strategie zur Abwehr solcher Beschaffungsmaßnahmen nicht auf ein Land fokussiert, sondern in alle Richtungen wirkt, denn gerade auch in technischer Hinsicht ist ein rein länderbezogener Schutz nicht möglich.

Besonders Innovationen sowie Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung sind begehrte Ziele. Sind hier manche Branchen besonders gefährdet oder kann es jedes Unternehmen treffen?

George: Wenn man Deutschland als Gesamtbild betrachtet wird schnell klar, dass wir kein rohstoffreiches Land im herkömmlichen Sinne sind. Unsere Rohstoffe sind Ideenreichtum, Innovation und schnelle Umsetzung in marktfähige Lösungen. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten nach diesen Rohstoffen im Ausland. Durch Know-how- Diebstahl lassen sich oft jahrelange Forschungs- und Entwicklungskosten aber auch viel Zeit einsparen. Mittelständische Unternehmen sind der Innovationsmotor Deutschlands, weshalb gerade diese, oft hochtechnologisch orientierten Unternehmen, Ziel von Ausspähungsversuchen sind. Dazu werden u.a. Delegationen, Praktikanten oder auch elektronische Angriffe auf die Unternehmensnetzwerke genutzt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wirtschaftsspionage wird von Mitarbeitern fremder Geheimdienste betrieben, jedoch wird auch oft versucht, Mitarbeiter als Spione anzuwerben. Welche vorbeugenden Maßnahmen kann ein Unternehmen ergreifen, um sich dagegen zu schützen?

George: Die Gefahr existiert, das stimmt, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es sehr oft vorkommt, dass Mitarbeiter als Spione angeworben werden. Aber die bewusste Informationsweitergabe geschieht ja nicht nur an andere Geheimdienste, sondern auch an den Mitbewerber. Vielleicht hat ein Mitarbeiter auch nur vor, den Arbeitgeber zu wechseln und nimmt mehr Informationen mit, als für ihn gedacht waren.
Zu vorderst sind es loyalitätsbildende Maßnahmen, die den besten Schutz vor einen „Innentäter“ bieten. Ein Mitarbeiter, der sich mit dem Unternehmen verbunden fühlt, wird diesem auch in kritischen Phasen loyal gegenüber stehen. Es klingt paradox, aber eine Kindereinrichtung im Unternehmen kann mittelbar auch eine Maßnahme zum aktiven Know-how-Schutz darstellen. Darüber hinaus gilt es, sinnvolle Regelungen zu schaffen, die genau definieren, wie mit schutzwürdigen Informationen im Unternehmen umzugehen ist.
Die andere große Gefahr lauert in der unbewussten Informationsweitergabe. Bedenken Sie, wieviele Informationen über soziale Netzwerke ausgetauscht, bei Messen erläutert und in Fachforen diskutiert werden. Hierbei wird der ein oder andere Mitarbeiter durchaus zum Spion, vielleicht auch ohne sein eigenes Wissen. Die Informationssammler geben sich nämlich nicht immer mit ihren wahren Identität zu erkennen und nutzen gezielt die vielfältigen Möglichkeiten unserer globalisierten und it-vernetzten Welt.

Die Wirtschaftsspionage findet in zunehmenden Maß über das Internet statt. Speziell im IT-Bereich bestehen jedoch bei einigen Unternehmen Sicherheitslücken. Welche Lösungsansätze können Sie den Unternehmern aufzeigen?

George: Das allgemein verbindlich und in zwei Sätzen zu formulieren ist schwierig, da jeder Fall unterschiedlich gelagert ist. Müsste ich es tun, würde ich Folgendes empfehlen: herkömmlicher Schutz wie Firewall und Antivirensoftware ist sinnvoll aber nicht ausreichend: hier müssen zusätzliche Maßnahmen geschaffen werden. Da es aber weder finanziell sinnvoll noch technisch machbar ist dies unternehmensweit umzusetzen, können sich diese zusätzlichen Maßnahmen nur auf bestimmte Daten, Prozesse oder Mitarbeiter des Unternehmens beziehen. Voraussetzung dafür ist allerdings, die „Kronjuwelen“ des Unternehmens zu kennen bzw. zu identifizieren, um dann beurteilen zu können auf welchen Systemen sie lagern, welche Mitarbeiter mit ihnen Umgang haben und in welchen Büros sie behandelt werden.

(George lacht): Jetzt sind es doch mehr als zwei geworden. Aber im Ernst, das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz steht Ihnen bei Fragen rund um den Know-how-Schutz gerne kostenfrei für Beratungsgespräche zur Verfügung. Und falls Sie einen Verdacht auf Know-how-Verlust haben, stehen wir Ihnen natürlich ebenso kostenfrei wie garantiert vertraulich zur Verfügung.

Speziell bei Auslandsreisen steigt doch das Risiko, Opfer von Know-how-Diebstahl zu werden – können Sie uns hier ein paar Verhaltenstipps mit auf die Reise geben?

George: Das sehen Sie richtig. Schon zu Hause plaudern wir nach Feierabend unbedarft im Biergarten mit Bekannten über interne Firmenangelegeheiten. Oder denken Sie einfach an Ihre letzte Zugfahrt oder ihren Aufenthalt im Wartebereich der Abflughalle. In diesen Situationen entscheidet der Zufall, wer außer Ihrem Gesprächspartner noch zuhört und damit über den Schaden, der dem Unternehmen entstehen könnte. Im Ausland sieht dies häufig anders aus. Hier wird dem Zufall im Wartebereich, an der Hotelbar, dem Taxi, im Hotelzimmer oder am Telefon gerne etwas auf die Sprünge geholfen. Der richtige Umgang mit sensiblen Informationen spielt deshalb hierbei die wesentliche Rolle. Gerne beraten wir auch dazu. Generell raten wir zu einer Reise mit leichtem Gepäck, auch hinsichtlich der Technik. Weniger ist mehr. Lassen Sie die Dinge, die sich nicht unbedingt benötigen zu Hause und verwenden Sie sogenannte Reiselaptops, die zum einen verschlüsselt sind und auf denen zum anderen nur die Informationen gespeichert werden, die sie tatsächlich benötigen.

Vielleicht schauen Sie auch einmal bei uns im Internet vorbei. Unter www.wirtschaftsschutz.bayern.de haben wir viele Informationen zusammengestellt die Ihnen den Umgang mit diesem Thema erleichtern.

Michael George ist Key-Note-Speaker beim BVMW MittelstandsForum Sicherheit am 10. Juli 2012 bei Rödl & Partner. Dort spricht er zum Thema „Wirtschaftsspionage 2.0 – Neue Wege für Spione?“

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