Deutsche Medien-Gründer müssen globaler denken

Veröffentlicht: 29.10.2014

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Die Voraussetzungen für Gründer in der Medienbranche seien in Bayern gut. Darin waren sich die Teilnehmer eines Expertenpanels der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN einig. Dennoch gebe es im Freistaat und in Deutschland noch großes Verbesserungspotenzial, insbesondere was die Förderung von Gründern angehe. Diese selbst müssten globaler denken und ihre Bescheidenheit ablegen.

vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt berichtete, dass sein Verband einen neuen Ausschuss für Medienwirtschaft gegründet habe. Damit wolle man die Medienbranche in Bayern stärken. Bereits heute trage die Digitalisierung zu einem Drittel zum Anstieg der Bruttowertschöpfung bei. Brossardt forderte verstärkte Aktivitäten bei der Internationalisierung der Branche, Ausbildungsprogramme mit einer engen Verknüpfung von Medien und IT-Kompetenzen und eine bessere Förderung von Projekten an der Schnittstelle von Technologie und Inhalt. An Brossards letzte Forderung knüpfte Dr. Hendrik Brandis, Partner bei Earlybird Venture Capital, an: „Es steht nicht genug Kommerzialisierungskapital für junge Technologie-Unternehmen zur Verfügung.“ In Deutschland fehlten bis zu 3,5 Milliarden Euro Venture-Capital jährlich. Obgleich man über eine „herausragende und wettbewerbsfähige Technologiebasis“ verfüge, mache man „kommerziell erschütternd wenig daraus“. Gründern rät Brandis: „Unser Heil liegt nicht mehr im Mittelstand – ich muss global denken.“

Dr. Florian Stadlbauer, Executive Director des Spieleentwicklers Deck 13 Interactive, teilte Brandis Analyse und monierte, dass es in der deutschen Gesellschaft einen „schlechten Umgang mit dem Scheitern“ gebe. Diese fehlende „Kultur des Scheiterns“ hemme die Innovationsfreude und Risikobereitschaft von Gründern: „Wir brauchen einen bewussten Umgang mit Gründern, sie müssen unterstützt und nicht behindert werden. Daran müssen Verbände und Politik arbeiten.“ Robin Nachtrab-Ribback, Technischer Leiter (CIO) bei VerbaVoice, nannte einen weiteren Mangel-Aspekt: „Es wird kaum Geld in die Vermarktung investiert“. Oft heiße es: „Wenn etwas gut ist, dann vermarktet es sich doch viral.“ Wichtig sei, dass sich junge Unternehmen gut untereinander vernetzten und frühzeitig Ressourcen zusammenlegten.

Der medienpolitische Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Markus Blume, berichtete von den Plänen der bayerischen Staatsregierung für ein Gründerzentrum Internet und digitale Medien in München. „Wir haben hier noch Handlungsbedarf“, sagte Blume, der auch Vorsitzender der CSU-Wirtschaftskommission ist. „Wir müssen international sichtbarer werden, wir müssen unsere Bescheidenheit ablegen.“ Der von Blume erwähnte „Wachstumfonds Bayern“ wurde von Venture-Capital-Experte Brandis angesichts einer Ausstattung in Höhe von rund 40 Millionen Euro als „geradezu rührend“ bezeichnet.

Foto: Medientage München

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