Studie: So steht es um die Digitalisierung im deutschen Mittelstand. (Foto: TriumphAdler / Folalia)
Neue Studie gibt Aufschluss über den Stand der Digitalisierung im deutschen Mittelstand. (Foto: TriumphAdler / Fotalia)

Industrieller Mittelstand investiert in digitale Technologien

Veröffentlicht: 28.07.2015

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Cloud Computing, Industrie 4.0, Big Data: Die Digitalisierung schreitet voran und hat auch den industriellen Mittelstand erreicht: Jedes dritte Unternehmen setzt neue Technologien weitreichend für Absatz und Vertrieb ein. Im Jahr 2014 nutzten mittelständische Industrieunternehmen in Deutschland durchschnittlich über vier Prozent ihres Investitionsvolumens für den Ausbau digitaler Techniken. Das zeigt das aktuelle BDI/PwC-Mittelstandspanel, für das 914 deutsche Unternehmen befragt wurden. Allerdings verfügt nur jedes fünfte Unternehmen über einen digitalisierten Produktionsbereich – darunter vor allem größere, exportorientierte Unternehmen. „Die Digitalisierung ist auf der Agenda des Mittelstands angekommen, das zeigen die Investitionsbereitschaft und die Nutzung digitaler Technologien im Vertrieb. Diese ist oft der Anfangspunkt der Digitalisierung eines Unternehmens. Wir sehen aber auch, dass gerade kleine Unternehmen noch sehr zurückhaltend mit dem Thema umgehen“, so Peter Bartels, Vorstand und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC.

Allerdings stufen noch immer fast ein Viertel der befragten Unternehmen (24 Prozent) die Digitalisierung für sich als „nicht relevant“ ein. Im Hinblick auf die nächsten fünf Jahre hält jedes zehnte Unternehmen die Digitalisierung für die eigene Wettbewerbsfähigkeit für bedeutungslos, weitere 16 Prozent unterstellen eine nur geringe Bedeutung. Hans-Toni Junius, Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses: „Wer heute den digitalen Wandel nicht mitgeht, der bringt sich um die Marktchancen von morgen. Die Konkurrenz schläft nicht. Das gilt insbesondere für die Digitalisierung. Der Mittelstand darf den Anschluss nicht verpassen.“

Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede: So ist im Westen der Anteil der Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad am größten (37 Prozent). In Ostdeutschland ist hingegen nur rund jedes vierte Industrieunternehmen (23 Prozent) stark digitalisiert. Auch im Süden der Republik gibt es Nachholbedarf: In Bayern und Baden-Württemberg weisen lediglich 21 Prozent der Unternehmen einen hohen Digitalisierungsgrad auf. In diesen Bundesländern liegt jedoch der Anteil der kaum digitalisierten Unternehmen mit 23 Prozent sehr niedrig. Somit rangiert Süddeutschland insgesamt auf dem dritten Platz hinter West- und Norddeutschland. Schlusslicht ist Ostdeutschland. „Diese Ergebnisse sind ein Weckruf an die Politik in Bund und Ländern. Sie muss den Breitbandausbau gerade in den ländlichen Regionen merklich voranbringen“, sagte Junius.

Während größere Betriebe darauf abzielen, sich innerhalb des Unternehmens systematisch zu vernetzen, treiben kleinere Betriebe die Kooperation mit Kunden und Lieferanten wie auch externen Partnern stärker voran. „Die Kooperation mit digitalen Start-Ups, aber auch mit anderen branchenfremden Partnern ist bisher vor allem für Unternehmen mit einem (sehr) hohen Digitalisierungsgrad von Bedeutung. Doch langfristig wird die Partnerschaft mit Unternehmen, die nicht Teil der eigenen Wertschöpfungskette sind, einen merklich höheren Stellenwert einnehmen“, lautet die Prognose von Peter Bartels. Er sieht darin einen vielversprechenden Ansatz: „Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus verschiedenen Fachgebieten erhöht die Chancen für innovative Geschäftsideen.“

Die Digitalisierung ist keine Eintagsfliege: Die deutschen Industrieunternehmen wollen in Zukunft mehr Geld in die Digitalisierung stecken. So planen rund 60 Prozent derer, die bereits 2014 in digitale Technologien investierten, ihr Budget dafür in den kommenden fünf Jahren auszuweiten. Grundsätzlich gilt: Der Anteil der Unternehmen, die den Ausbau deutlich forcieren, steigt mit dem Digitalisierungsgrad.

Wirtschaftlich geht es dem industriellen Mittelstand in Deutschland mit einem Umsatzwachstum von insgesamt 1,2 Prozent gut. Doch die Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wächst: Zwar bezeichnet weiterhin mehr als jedes dritte Industrieunternehmen die Bedingungen als (sehr) gut, gleichwohl beurteilen inzwischen mehr Unternehmen als noch vor sechs Monaten diese als (sehr) schlecht (+ 3 Prozentpunkte). Die Energie- und Rohstoffpreise, der Fachkräftemangel und die fehlende Infrastruktur – insbesondere bei der Telekommunikation – belasten die Unternehmen nach wie vor. Hans-Toni Junius: „Insgesamt kann der Mittelstand der Großen Koalition für die erste Regierungshalbzeit kein gutes Zeugnis ausstellen. Mindestlohn, Rente mit 63 und weitere Umverteilungsprojekte kommen jetzt im unternehmerischen Alltag an und verunsichern die Unternehmen. Die Unternehmen wollen investieren, gerade auch in weitere Digitalisierung. Doch dafür muss die Politik jetzt das Vertrauen stärken.“

Das BDI-Mittelstandspanel wird im Auftrag des BDI und PwC durch das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn erstellt. An der 21. Erhebungswelle der Online-Befragung haben sich in der Zeit vom 17. März bis zum 15. Juni dieses Jahres 914 Unternehmen beteiligt.

Die vollständige Studie finden Sie HIER.

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