Integrationskoordinatorin Verena Bartels von der IHK für München und Oberbayern (links) erläutert vier Flüchtlingen den Kompetenzcheck „check.work“: (v.l.n.r.) Conteh Sarrah Mohamed aus Sierra Leone, Ahmad Frouq Soltani und Haydari Sakineh, beide aus Afghanistan, und Afshinpour Hooman aus dem Iran. (© Goran Gajanin für den BIHK)

Bessere Integration durch Berufseignungstest

Veröffentlicht: 18.05.2017

Um Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren, gibt es nun in Bayern einen besonderen Berufseignungstest. Dieser wurde speziell auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen ausgerichtet. Der neue Test mit dem Namen „check.work“ ist ein Projekt des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) und wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert und durch die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit unterstützt. „check.work“ wurde diese Woche in München bei einer Pressekonferenz der Partner vorgestellt.

Test soll Arbeitseinsteig erleichtern

Mit dem neuen Test können auch Flüchtlinge mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen umfassende Angaben zu ihrer Ausbildung und ihrer Berufserfahrung machen. Anschließend sollen sie anhand eines erstellten Kompetenzprofils gezielt weiterqualifiziert oder passgenau in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Durch den Test werden also die beruflichen Stärken der Geflüchteten erkannt und eine zielgerichtete Integration von Fachkräften in den deutschen Arbeitsmarkt ermöglicht.

Kompetenzcheck auf fünf verschiedenen Sprachen absolvierbar

Der Test ist ein Online-Tool und auf Englisch, Französisch, Farsi, Hocharabisch und Deutsch verfügbar. Er richtet sich in zwei Versionen sowohl an geflüchtete Erwachsene mit beruflichen Erfahrungen im Heimatland als auch an jugendliche Flüchtlinge. Beim rund einstündigen Modul für Erwachsene werden systematisch Vorkenntnisse nach Arbeitsbereichen und Tätigkeitsfeldern abgefragt. Das zweite Modul dauert bis zu 90 Minuten und hilft Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung. Ergebnis des Tests ist ein IHK-zertifiziertes Bildungs-, Tätigkeits- und Kompetenzprofil des Teilnehmers.

Die Partner zeigten sich auf der Pressekonferenz begeistert von dem Projekt. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte: „Mit dem Kompetenzcheck lassen sich die vorhandenen Kompetenzen jedes Einzelnen feststellen und für die Arbeitsvermittlung nutzen. Damit wird der gesamte Prozess nochmals wesentlich effizienter und effektiver.“

Kompetenzcheck kann wichtige Lücken füllen

Auch BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen betonte den Nutzen des Tests: „Viele Betriebe wollen bei der Integration helfen und Flüchtlinge einstellen. Oft fehlen den Bewerbern aber Zeugnisse oder Nachweise über Qualifikationen und berufliche Erfahrungen. Diese Lücke füllt der Kompetenzcheck, weil er wichtige Informationen zum bisherigen Bildungsweg und den beruflichen Erfahrungen systematisch erfasst und darstellt. Außerdem hilft der Test bei der Frage, wie der erste Schritt in den Arbeitsmarkt aussehen soll: Ist das am besten ein Praktikum, eine Berufsausbildung oder eine Qualifizierung – oder reichen die Vorkenntnissen für einen direkten Einstieg ins Arbeitsleben?“

Klaus Beier, Geschäftsführer Operativ der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, hob die Bedeutung, die der Test für eine gelungene Integration haben kann, hervor: „Eine unserer größten arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen ist es, Menschen mit Fluchtgeschichte eine echte Perspektive auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu eröffnen und einen Weg in ein Leben, unabhängig von staatlichen Leistungen zu ermöglichen. Die Teilnahme am Arbeitsleben ist der Schlüssel für eine rasche und gelungene Integration.“

Der Test wird über die Integrationsberater der IHKs und Handwerkskammern sowie die Jobcenter, Agenturen für Arbeit, Schulen und Bildungsträger zur Verfügung gestellt. Lizenzen können über die bayerischen IHKs erworben werden. Mehr Informationen zum Kompetenztest „check.work“ gibt es unter www.check.work.


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